Paralleluniversen des Bewusstseins- anhören
Das Leben hat keinen anderen Grund, als die vollständige Erfahrung seines Selbst zu machen. Dies wurde mir neulich besonders deutlich, als ich beim Mittagessen in einem Restaurant saß. An einem weiter entfernten Tisch unterhielten sich zwei Männer so laut, dass jeder im Raum erfahren konnte, dass es sich um zwei Ärzte handelte, die ein medizinisches Problem diskutierten. Plötzlich wurde mir bewusst, was Paralleluniversen sind. Diese beiden Männer lebten ein Leben, von dem ich nur in diesem Moment erfuhr, als sich unsere Universen für die Dauer unseres Aufenthalts im Restaurant kreuzten. Sobald ich das Lokal verließ, waren sie wieder aus meiner Wahrnehmung entschwunden.
Die Welt als Frequenz der Wahrnehmung
Die Idee der Multiversen kann nur deshalb entstehen, weil jeder Mensch ein eigenes Universum ist. Wir tauchen in die Wirklichkeit des anderen nur dann ein, wenn sich unsere Frequenzen überlappen. Wir empfangen uns gegenseitig wie Radiosender – klar und verständlich nur auf der Frequenz, auf die wir eingestellt sind. So erklärt sich, warum wir manche Menschen niemals bewusst wahrnehmen und anderen immer wieder begegnen. Jeder Mensch ist eine eigene Realität, eine einzigartige Perspektive auf die Welt, ein Kegel aus Licht in der Dunkelheit, der sich mal mit anderen überschneidet, mal nicht.
Die Illusion der Trennung
Normalerweise fällt uns nicht auf, dass jeder von uns eine individuelle Perspektive hat, weil wir uns als getrennt von der Welt erleben, die wir vor Augen haben. Doch in Wahrheit entsteht unsere gesamte Wahrnehmung aus der Perspektive, die wir selbst sind. Alles, was in unserer Welt auftaucht, entspricht dieser Perspektive. Solange wir das nicht erkennen, glauben wir, dass wir uns an andere Menschen anpassen müssen, ihre Anerkennung brauchen, ihre Bestätigung suchen und uns von ihrem Urteil beeinflussen lassen. Ihre Nichtbestätigung lässt uns zweifeln, ihr Lob gibt uns Halt. Doch genau hier setzt der Bewusstseinsweg an: Er führt zur Erkenntnis, dass jeder Mensch eine einzigartige Perspektive hat, die in etwas eingebettet ist, das um all diese Perspektiven weiß – das Bewusstseinsfeld.
Die Erkenntnis des Sehenden
Dieses Bewusstseinsfeld ist das Fundament aller Perspektiven. Es ist das, was sich selbst erfährt. Sobald ich erkenne, dass ich eine Brille trage, durch die ich die Welt sehe, begreife ich auch, wer ich ohne diese Brille bin: das sehende Selbst. Die ultimative Erkenntnis ist dann, dass das, was sieht, nur das sehen kann, was in seinem Blickfeld liegt – und dass beides letztlich eins ist. (Es erschafft die sinnlich wahrnehmbare Information, die es bereits ist) Ich nehme nur das wahr, was mit meiner Perspektive in Resonanz steht. Die beiden Ärzte am Nebentisch existieren für mich erst in dem Moment, in dem ich sie wahrnehme. Die Frage, ob sie auch außerhalb meiner Wahrnehmung existieren, bleibt offen.
Die Spiegelung des Selbst
Im Grunde spiegeln wir uns alle gegenseitig, endlos und ohne Anfang oder Ende. Je klarer mir meine eigene Perspektive wird, je weniger ich davon verdränge oder in die Nichtwahrnehmung verbanne – sei es durch das Verdrängen von Gefühlen oder Gedanken – desto schärfer wird das Bild meines Lebens. Umso mehr kann ich es bewusst und erlöst erfahren.
Das Enneagramm als Werkzeug der Perspektiven
Jeder Mensch kann für sich erforschen, warum er die Welt so sieht, wie er sie sieht. Und er kann erkennen, dass niemand die Welt so sieht, wie er es will, sondern nur so, wie es seiner eigenen Perspektive entspricht. Das Wissen um diese individuellen Wahrnehmungen schafft Verständnis, Harmonie und Frieden, anstelle von Streit und Krieg.
Das Enneagramm ist ein faszinierendes Werkzeug, das diese individuellen Perspektiven sichtbar macht. Es zeigt die verzerrten Sichtweisen, durch die wir die Welt erleben, und ermöglicht uns Alternativen zu erkennen. Dadurch gelangen wir in eine vollständige Erfahrung unseres Selbst – emotional stabil, geistig frei, energetisch kraftvoll. Erst in dieser Freiheit haben wir einen ungetrübten Blick für das, was wir wirklich sind. Erst dann tauchen Fragen auf, die weitreichende Antworten ermöglichen: Wer bin ich? Was ist das hier? Diese Fragen sind jedoch nicht die ersten, sondern die letzten, die sich stellen.
Denn am Anfang stehen oft andere Fragen: Warum geht es mir nicht gut? Warum leide ich so sehr an mir selbst und der Welt? Diese Fragen müssen tiefgehend beantwortet werden, bevor wir bereit sind, unsere Universen zu verlassen, um den Blick in das zu richten, was uns hervorbringt.
Die Herausforderung des Bewusstseinsweges
Das Erforschen des Bewusstseins ist vergleichbar mit der Arbeit eines Astronauten auf der ISS. Er weiß, dass sein Job kein normaler ist. Jederzeit kann es lebensgefährlich werden. Genauso ergeht es dem, der wirklich wissen will, was Bewusstsein ist. Es führt in die tiefsten Ängste, in das Erleben des Abgrunds, der sich jedem ernsthaften Suchenden auftut. Wer sich diesem Abgrund stellt, kann das letzte Hindernis überwinden – die Angst vor dem eigenen Verschwinden.
Das Enneagramm und der Weg zur Befreiung
Das Enneagramm macht diesen Prozess nachvollziehbar:
- An Punkt 9 geschieht der Verlust des Seinskontakts, wenn wir in dieses Leben treten.
- An Punkt 6 wird diese Trennung zur existenziellen Angst.
- An Punkt 3 entsteht daraus ein falsches Selbstbild, an dem wir uns festhalten. Ein Schein-Sein, das wie ein Abziehbild der Wahrheit aussieht.
Doch genau hier liegt der Schlüssel zur Befreiung. Wenn wir die Angst hinter uns lassen, führt uns das Enneagramm in die strahlende Leere, in eine allumfassende Harmonie und in die Liebe, die keine Grenzen mehr kennt. Der Bewusstwerdungsprozess zeigt uns, dass wir keine Angst vor uns selbst haben müssen.
Die Illusion der Angst und die wahre Freiheit
Die größte Illusion, der wir unterliegen, ist die Angst vor dem Tod. Doch in Wahrheit ist es nicht der Tod, der uns bedroht, sondern das, was wir als unser „Ich“ festhalten. Die alte Weisheit bleibt gültig: Wer wagt, gewinnt. Wer den Mut hat, seine Abwehrmechanismen zu erkennen und zu überwinden, erfährt eine tiefe Verschmelzung mit sich selbst. Einem Selbst, das immer da war und immer sein wird.
Das bewusste Erleben des Selbst führt zu einer neuen Dimension der Wahrnehmung. Plötzlich sind da keine Hindernisse mehr, sondern ein Feld unendlicher Möglichkeiten: jenseits des eingebildeten Zaunes, der uns von unserer wahren Grenzenlosigkeit trennt.
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Wenn Du Interesse daran hast, Deine Perspektive auf die Welt zu erforschen, dann bietet mein Online Seminar Deep Access & das Enneagramm Dir dazu Gelegenheit. Vom 16. bis 18. Mai 2025 findet es erneut statt. Infos findest Du hier: Deep Access & das Enneagramm
In einer Welt, in der das Offensichtliche selten hinterfragt wird, lädt „Ein Riss in der Realität“ dazu ein, tiefer zu blicken und die unsichtbaren Fäden zu entdecken, die unser Sein durchdringen. Dieses Buch versammelt 24 inspirierende Essays, die ursprünglich als Adventskalender auf Nicole Paskows Blog entstanden sind.
Jeder Text öffnet ein neues Fenster in die Weiten unseres Bewusstseins und ermutigt den Leser, die wahre Natur des Menschseins zu erkunden. Es ist eine Einladung, mit den inneren Augen zu sehen und die Klarheit zu finden, die in der Essenz unserer Existenz verborgen liegt.
Liebe Nicole,
Deine Aussage „Ich nehme nur das wahr, was mit meiner Perspektive in Resonanz steht.“ scheint oft zu stimmen und dann – Gott sei Dank füge ich hinzu – auch wieder nicht.
Es sind die unglaublich erleichternden und die Erkenntnis von anderen Möglichkeiten der Erfahrung fördernden Momente, die mich immer mal wieder aus Phasen der Verzweifelung, des Pessimismus und eines gelegentlich sehr negativen Menschenbildes (aufgrund all der Zerstörung, die der Mensch anrichtet) herausholen.
Plötzlich erlebe ich eine liebevolle Zuwendung eines Menschen zu einem anderen oder zu allem, was blüht und grünt obwohl ich gerade gedacht habe wieviel besser es dem Planeten ohne Menschen gehen würde. (Um nur ein Beispiel zu nennen.)
Da wir alle in diesem großen Netz des Lebens und des Bewusstseins verwoben sind, öffnet uns dies auch Türen für andere Realtitätswahrnehmungen selbst wenn es etwas ist, was gerade gar nicht mit unseren Gedanken und Gefühlen in Resonanz ist.
Und auch hier natürlich in beide Richtungen. Entweder es nährt, so wie ich es oben beschrieb oder es kann auch tief erschüttern, wenn die erfahrene Realität von Schmerz und Leid anderer plötzlich in unserem Bewusstsein erscheint in einem Moment, wo wir uns eigentlich wohl und im Frieden mit uns und dem Leben fühlen.
Summa summarum: So ganz individuell sind unsere Wahrnehmungen nach meinem Erleben nicht.
Danke fürs Teilen Deiner Gedanken und die Inspiration mit dem Enneagram.
Sabine
Liebe Sabine, danke für das Teilen Deiner Ansicht. Ich begegne der Welt – die ich bin. Das könnte ich, auf den Punkt gebracht, als meine Sicht herausstellen. Und da ich bin, was Bewusstsein ist, werde ich als eine individuelle Perspektive darin, niemals um alle Möglichkeiten wissen. Deshalb ist alles möglich. Auch die Lichtblicke in der Verzweiflung. Deine Gedanken ergänzen den Text, finde ich. 🙂 LG Nicole
Ein schöner Beitrag, danke, Nicole! Im Absatz 8 schreibst Du wohl über die „Schattenarbeit“, die man erledigen muss, bevor man sich dem „Göttlichen“ zuwendet. Wenn es keine Flucht sein und „echte“ Früchte tragen soll. Ist zur Zeit häufig bei den „Spiris“ zu vernehmen. Hoffentlich habe ich den Satz nicht missverstanden. Möchte nur anmerken, dass mir das Göttliche von Anfang an present war. Ich wendete mich als Kind nach innen und wusste, dass „Es“ überall ist und in mir sowieso. Über verschiedene psychische wie physische Zustände will ich hier nicht berichten, würde zu lang werden. Inzwischen weiß ich, das so etwas durchaus sogar mit Hilfe von Substanzen angestrebt wird. In dieser atheistischen Gesellschaft (UdSSR) sprach niemand über Gott. Habe einfach angenommen, alle wissen es im Stillen, so wie ich. Ab der Pubertät wurde so gut wie alles anders. Die „Welt“ und Vorstellungen anderer nahmen mich gefangen. Der „Unheil“ nahm seinen Lauf, der Schatten wuchs. Die Arbeit daran ist unumgänglich. Die Reihenfolge kann variieren. Als Kind hatte ich schon alles.
Liebe Natalja,
ich danke Dir für Deinen Kommentar. Deine Erfahrung zeigt, dass das Göttliche sich nicht an Bedingungen hält – es kann einfach da sein, still und selbstverständlich, gerade in der Kindheit.
Was ich spannend finde: Wie Du beschreibst, dass erst später die Welt und ihre Bilder über Dich gelegt wurden – und der Schatten zu wachsen begann. Ja, manchmal ist die Rückverbindung keine Suche nach etwas Neuem, sondern ein Wiedererkennen dessen, was immer schon da war.
Deine Worte erinnern daran, dass es keine lineare Entwicklung gibt. Manche beginnen mit dem Licht, (so wie Du) andere mit dem Schatten (so wie ich)– und oft wechseln sich beide Wege ab, die doch immer aus dem Einen stammen.
Von Herzen
Nicole
Für mich ist diese Beleuchtung und Berücksichtigung der Paralleluniversen des Bewusstseins so bedeutsam hinsichtlich Begegnung mit Menschen. Denn wie Du schreibst: ‚ Das Wissen um diese individuellen Wahrnehmungstypen schafft Verständnis und Frieden, anstelle von Streit und Krieg.‘ Aus Unkenntnis dieser Tatsache habe ich schon so manches mal ein ordentliches Wirrwarr miterlebt bzw. selbst angezettelt.
Auch die Beleuchtung der eklatanten Angst vor dem ‚Ich-Tod‘ finde ich so fundamental, geht sie doch mit größter Angst vor dem Leben einher.
Das Ich-Theater ist schon ganz schön krass, die Abwehrmechanismen so vertrackt. . . Aber dass es möglich ist, durch Mut-Einsatz diese zu hacken und dass wir fähig sind
unser Fundament der Stille-Präsenz in jedem Augenblick zu entdecken, ist de luxe.
Ich liebe das Leben und danke Dir, Nicole , für Deine Esprit Inputs!
Liebe Maja,
ich danke Dir für Deine schöne Rückmeldung – Deine Gedanken treffen für mich viele Punkte sehr präzise. Genau diese Paralleluniversen des Bewusstseins machen zwischenmenschliche Begegnungen oft so komplex. Und ja, das Wissen um unterschiedliche Wahrnehmungstypen kann tatsächlich enorm entlasten. Ich habe selbst auch schon erlebt, wie viel Konfliktpotenzial in dieser Unkenntnis steckt – sowohl ausgelöst als auch erfahren.
Die Angst vor dem Ich-Tod – das hast Du gut auf den Punkt gebracht. Sie geht oft einher mit einer tiefen Lebensangst, die sich aber hinter ganz anderen Themen versteckt. Und das Ich-Theater ist wirklich ein ausgeklügeltes System. Umso spannender, dass es sich mit Aufmerksamkeit und einem gewissen Mut mehr und mehr durchschauen lässt.
Ich freue mich sehr, dass meine Impulse bei Dir so eine schöne Resonanz finden.
Herzlichst –
Nicole
liebe Nicole
Leider kann ich im.Mai beim Enneagramm wieder nicht teilnehmen, weil ich da arbeiten muss . Vielleicht würde es ja passen Ende Juni , ab den 27.06. Das Wochenende. Nur als Möglichkeit. Da hab ich frei und auch die ganze Woche danach, also auch das 4.5.6.. Juli weekend. Hab so einen tiefen Drang da dabei zu sein und vom scheinbaren Aussen wird es versperrt. sooooo schade. Deshalb traue ich mich, die Daten so genau anzugeben. Möglicherweise passt es ja.
Danke für Deine so tiefen und eindringlichen Worte, die Begleitung von Dir bewirkt so eine sanfte, weitreichende Wandlung in mir. Danke. Danke. Danke
Alles Liebe
Martina
Ich mache das Seminar gerne ein drittes Mal, Martina, solange das Interesse anhält, kein Thema! 🙂 Dann würde ich Deine
Termine auch gerne berücksichtigen! Und ganz lieben Dank Dir für Deins schönes Feedback! 🙂 Alles Liebe, Nicole