Warum echte Veränderung kaum auffällt - anhören
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Es gibt eine merkwürdige Erfahrung, die viele Menschen machen, wenn sich in ihrem inneren Erleben tatsächlich etwas verschiebt. Sie merken es zunächst nicht. Das liegt daran, dass sich das Entscheidende oft außerhalb dessen bewegt, worauf wir unsere Aufmerksamkeit trainiert haben. Wir sind daran gewöhnt, Veränderung an Intensität zu erkennen. An neuen Gefühlen, an Erleichterung, an spürbarer Entlastung oder an einem klar benennbaren Moment, in dem sich etwas besser anfühlt. Die Veränderungen, um die es hier geht, zeigen sich auf eine andere Weise. Sie kommen leise, unspektakulär und manchmal so unauffällig, dass sie beinahe enttäuschen.
Im Alltag zeigt sich das zum Beispiel darin, dass eine Situation, die früher sofort eine innere Bewegung ausgelöst hätte, einfach vorbeigeht. Es entsteht kein Drama, kein inneres Ringen und kein Bedürfnis, sich im Nachhinein zu erklären, warum man diesmal anders reagiert hat. Erst später, vielleicht Stunden oder Tage danach, fällt auf, dass etwas geschehen ist. Etwas war da, und es hat keine Welle ausgelöst. Es fehlte eine innere Zugkraft, die früher selbstverständlich gewesen wäre.
Diese Art von Veränderung irritiert viele Menschen, weil sie kein Ereignis darstellt. Sie fühlt sich kaum wie ein Fortschritt an, eher wie eine kleine Lücke im gewohnten Ablauf. Genau deshalb wird sie häufig übersehen oder innerlich abgewertet. Sätze wie „Eigentlich ist nichts passiert“ oder „Ich fühle mich ganz normal“ tauchen dann schnell auf. In diesem Normal liegt jedoch oft der entscheidende Hinweis. Verändert hat sich weniger das Leben selbst als die Selbstverständlichkeit, mit der bestimmte Reize bisher eine Reaktion ausgelöst haben.
Wenn Bedeutung nicht mehr automatisch entsteht
Wir sind es gewohnt, unser Erleben als Abfolge von Zuständen zu betrachten. Gut oder schlecht, ruhig oder angespannt, offen oder verschlossen. Was sich hier neu ordnet, passt in dieses Raster kaum hinein. Es handelt sich weder um eine Stimmung noch um einen Zustand. Es geht um die Geschwindigkeit, mit der etwas Bedeutung erhält. Wenn diese automatische Zuschreibung ausbleibt, entsteht ein Raum, der zunächst leer wirkt. In diesem Raum fehlen Rechtfertigungen, innere Kommentare, Dringlichkeit und Verteidigung.
Dieser Raum wird selten bewusst gewürdigt. Er entspricht kaum unseren Vorstellungen von Entwicklung. Viele erwarten Klarheit, Einsichten oder neue innere Überzeugungen. Stattdessen stellt sich eine nüchterne Qualität des Erlebens ein. Dinge geschehen und bleiben einfache Vorgänge. Sie werden weniger schnell persönlich genommen und verlieren ihre Aufladung. Für manche fühlt sich das zunächst wie ein Verlust an, als würde etwas fehlen, das man bisher mit Lebendigkeit verwechselt hat.
Gerade hier entsteht jedoch zum ersten Mal wirkliche Wahl. Sie zeigt sich nicht als bewusste Entscheidung oder als kraftvoller Akt, sondern als Ausbleiben einer automatischen Bewegung. Wahl wird spürbar, wenn etwas unterlassen werden kann, ohne dass es sich nach Verzicht anfühlt. Dieser feine Unterschied markiert den Übergang von Reaktion zu Handlung. Er trennt Automatismus von einer Bewegung, die aus dem jeweiligen Moment heraus entsteht.
Freiheit als Abwesenheit von innerer Notwendigkeit
Philosophisch berührt dieser Punkt eine alte Frage nach der Bedeutung von Freiheit. Häufig wird Freiheit mit Möglichkeiten gleichgesetzt, mit Optionen und Alternativen. Im gelebten Alltag zeigt sie sich jedoch oft anders. Freiheit zeigt sich dort, wo eine innere Notwendigkeit wegfällt. Etwas könnte geschehen und geschieht einfach nicht, weil es seine frühere Selbstverständlichkeit verloren hat. Freiheit beginnt an der Stelle, an der das Innere nicht mehr permanent in Bereitschaft steht.
Viele Menschen reagieren irritiert, wenn sie bemerken, dass sich diese Freiheit nicht euphorisch anfühlt. Sie wirkt selten wie ein Höhepunkt, eher wie eine Entdramatisierung des eigenen Lebens. Konflikte verlieren an Schärfe, auch wenn sie nicht vollständig geklärt sind. Themen tauchen auf und verschwinden wieder, ohne lange innere Schleifen auszulösen. Das System beginnt, sparsamer mit Energie umzugehen und zurückhaltender auf Reize zu reagieren. Für einen Teil von uns wirkt das zunächst fast zu wenig.
Hier liegt eine der größten Hürden. Wir haben gelernt, Veränderung mit Anstrengung zu verbinden. Mit Arbeit an uns selbst, mit Durchbrüchen und mit klar markierten inneren Momenten. Wenn Veränderung ohne diese Marker geschieht, trauen wir ihr oft nicht. Es entsteht der Eindruck, dass etwas Entscheidendes fehlen müsse. Gerade dadurch laufen wir Gefahr, das Neue zu übersehen, weil es nicht den vertrauten Bildern von Entwicklung entspricht.
Eine andere Vorstellung von Entwicklung
Im Alltag zeigt sich diese Verschiebung zum Beispiel in Gesprächen. Früher hätte ein bestimmter Tonfall sofort innere Spannung ausgelöst. Heute wird er gehört, und die Reaktion bleibt aus oder tritt später auf, ruhiger und weniger verstrickt. Diese Gelassenheit entsteht nicht durch Abstand, sondern durch eine Form innerer Neutralität. Sie ist das Ergebnis davon, dass etwas an Wichtigkeit verloren hat, ohne dass bewusst daran gearbeitet wurde.
Hier liegt der Punkt, an dem Veränderung neu gedacht werden muss. Weniger als Erweiterung von Fähigkeiten und mehr als Entlastung von inneren Verpflichtungen. Weniger als Verbesserung und mehr als Vereinfachung. Weniger als etwas, das intensiv gespürt wird, und mehr als etwas, das nicht mehr ständig Aufmerksamkeit bindet.
Wenn man diesen Gedanken zulässt, verändert sich auch der Blick auf Entwicklung insgesamt. Es geht nicht darum, wohin man kommt, sondern darum, was man nicht mehr mitnehmen muss. Es stellt sich nicht die Frage, wer man wird. Ernstzunehmender ist hier viel mehr, was man nicht mehr sein muss, um sich sicher zu fühlen. An diesem Punkt wird deutlich, dass es nicht um Kontrolle geht. Es geht, in Wahrheit, um eine andere innere Ordnung.
Der Übergang zum nächsten Schritt
Diese Ordnung entsteht nicht durch weiteres Nachdenken. Sie entsteht dort, wo das System beginnt, anders zu gewichten. Diese Verschiebung macht sich kaum durch große innere Erlebnisse bemerkbar, sondern durch eine neue Selbstverständlichkeit im Alltag. Dinge verlieren ihr Gewicht. Situationen verlieren ihre Schärfe, Reaktionen verlieren ihre Dringlichkeit.
Das ist der Moment, in dem wir aufhören können, Veränderung zu suchen, und beginnen, sie wahrzunehmen. Genau dort, wo etwas stiller geworden ist. Aus dieser Beobachtung ergibt sich fast zwangsläufig eine neue Frage.
Wenn Veränderung weder aus Einsicht entsteht noch als Ereignis auftritt, wie kann dann eine Information aussehen, die genau diese stille Neuordnung ermöglicht? Mit dieser Frage endet dieser Teil. Und mit ihr öffnet sich der Raum für den nächsten Schritt.
* Dies ist der sechste Teil einer siebenteiligen Reihe über die tiefere Funktionsweise unseres inneren Systems – darüber, warum wir Muster wiederholen, obwohl wir sie längst durchschauen, und welche Art von Sprache das Nervensystem tatsächlich versteht.
Den ersten Teil findest Du hier:
Warum KI Technologie uns nie ersetzen kann
Den zweiten Teil findest Du hier:
Warum uns die Sprache für unser eigenes System fehlt
Den dritten Teil findest Du hier:
Was geschieht, wenn ein Reiz das System überschreibt?
Den vierten Teil findest Du hier:
Die Grenzen der Selbstbeobachtung
Den fünften Teil findest Du hier:
Warum wir unser eigenes System nie ansprechen konnten
Den siebten Teil findest Du hier:
Direct System Code: Ein praktischer Zugang zu innerer Neuordnung
Am Ende der Reihe stelle ich ein Format vor, das auf dieser Erkenntnis aufbaut: Direct System Code: Ein Einstieg in die Sprache, die das System selbst erkennt.
In einer Welt, in der das Offensichtliche selten hinterfragt wird, lädt „Ein Riss in der Realität“ dazu ein, tiefer zu blicken und die unsichtbaren Fäden zu entdecken, die unser Sein durchdringen. Dieses Buch versammelt 24 inspirierende Essays, die ursprünglich als Adventskalender auf Nicole Paskows Blog entstanden sind.
Jeder Text öffnet ein neues Fenster in die Weiten unseres Bewusstseins und ermutigt den Leser, die wahre Natur des Menschseins zu erkunden. Es ist eine Einladung, mit den inneren Augen zu sehen und die Klarheit zu finden, die in der Essenz unserer Existenz verborgen liegt.

Liebe Nicole,
mir fehlen da einfach die Worte, einfach weil einfach und doch so oft übersehen. Das entspricht exakt meinem Bemerken.
– (Nervosität) was ich bisher mit Lebendigkeit verwechselt habe……
– Freiheit ist frei von……….frei heißt: gratis: ist kostenlos….
– ohne Not keine Wendung nötig….
Die Illusion der großen Veränderungen in Sekundenschnelle, für mich ist es eher ein ablösen von alten Wundpflastern und darunter erstaunlicherweise Leichtigkeit zu finden, die ich bisher außerhalb, auf Reklameschildern suchte.
Dann schauen wir mal, was da noch zum Vorschein kommt.
Liebe Christine,
das, was Du beschreibst, bringt es sehr genau auf den Punkt. Dieses Erkennen, dass das, was wir lange für Lebendigkeit hielten, oft eher eine innere Nervosität war, ist unmerklich und gleichzeitig tiefgreifend. Dein Bild mit den Wundpflastern gefällt mir. Dieses langsame Ablösen und das Staunen darüber, dass darunter etwas Leichtes liegt, das nie wirklich gefehlt hat, sondern nur überdeckt war.
Danke, dass Du das so klar und offen teilst. LG Nicole
Liebe Nicole,
deine Texte haben mich dazu angeregt mal wieder etwas zu Philosophieren. Es sind einfach ein paar Gedanken, die mir durch den Kopf gehen und die durchaus keinen Anspruch auf einen Wahrheitsgehalt haben.
Mich bewegt natürlich das Thema,, so wie jeden von uns: “ Genügt es einfach nur ganz tief zu *Sehen* und die Ereignisse in meinem Geist wahrzunehmen und durchströmen zu lassen ohne zu reagieren. Bestimmt dann die Existenz, was weiterhin in meinem Leben geschieht?
Meine Erfahrung zeigt, dass dieser Prozess durchaus mein Leben leichter macht und ich meinen Reaktionen und den Folgen davon, nicht mehr so vehement und so nachhaltig ausgesetzt bin.
Meine Frage: Auf welcher tieferen Ebene kann ich ansetzen um mein Leben aktiv zu gestalten?
Jetzt ganz zum Anfang:
*Ich bin*
So wie ich das verstehe, hat Ramana Maharshi das *ich bin* als erste Manifestation, als ersten Ausdruck des unendlichen Potenzials des reinen Bewusstseins erkannt.
Das *ich bin* fühlt sich selbst und ist absolut sicher, dass es existiert. *Ich bin* hat aber noch keine Erfahrung, keine Worte, keine Bilder keine Emotionen. Mein Leben erfordert alle diese Eigenschaften und Fähigkeiten zu entwickeln und alles zu lernen . Mein Leben und meine Erfahrung bildet daraus meine Persönlichkeit.
Im ersten Buch Moses in der Genesis steht: *am Anfang war das Wort*. Es liegt für mich nahe, dieses Schöpfungswort und *ich bin* gleichzusetzen.
Die Schöpfung hat also etwas mit Sprache zu tun. Das Wort hat also eine kreative Kraft.
Die Sprache, die wir im Alltag verwenden, kennen und beherrschen, berührt nur die Oberfläche unserer Existenz.
Im Computermodell bewegen wir uns mit unserer Kommunikation und unseren
Befehlseingaben auf der Ebene der Texteingabe. Darunter liegt das Betriebssystem und darunter liegt der Quellcode.
Ich stelle mir die Frage: „auf welcher Ebene liegt das Schöpfungswort?“ Dieses liegt bestimmt noch vor dem Quellcode oder ist es bereits der Quellcode. Oder besteht das Schöpfungswort aus lauter Nullen und Einsen?
Lieber Johannes,
ich finde Deine Überlegungen spannend und Deine Frage trifft einen Punkt, an dem viele irgendwann hängenbleiben. Dieses tiefe Sehen, das Du beschreibst, macht das Leben tatsächlich leichter. (Und letztlich kommt es nur auf die Tiefe und die Qualität des Sehens selbst an). Reaktionen verlieren ihre Wucht, Folgen greifen weniger tief, und vieles läuft stiller ab. Das ist eine echte Verschiebung, keine bloße Idee.
Zur Frage nach dem Ich bin: Für mich ist das kein persönlicher Kern und auch kein erster Gedanke, sondern reines Bewusstsein. Es ist einfach das Sein selbst. Alles, was Du als Erfahrung beschreibst, Fähigkeiten, Bilder, Emotionen, Persönlichkeit, erscheint darin und wird darin wahrgenommen. Das Ich bin hat selbst keine Eigenschaften, es trägt sie nicht, es beleuchtet sie.
Dieses Ich bin wiederum erscheint im Gewahrsein. In diesem stillen Wahrnehmen, das alles aufnimmt, ohne sich selbst zu sehen. Wie eine Kamera, die jede Szene einfängt, aber nie Teil des Bildes wird. Bewusstsein, so wie wir es erleben, ist die Ebene, auf der das, was gesehen wird, Bedeutung bekommt. Dort entstehen Sprache, Bilder, Zusammenhänge. In Deiner Analogie passt hier das Betriebssystem sehr gut.
Das Schöpfungswort liegt für mich nicht jenseits des Quellcodes und auch nicht davor. Es taucht im Bewusstsein auf, im Geist. Es wird gedacht, gehört, verstanden. Seine schöpferische Kraft liegt nicht in Zeichen oder Lauten, sondern darin, dass es Bedeutung setzt. Dass es Ordnung erzeugt, wo vorher keine persönliche Relevanz war.
Der Quellcode selbst ist für mich keine Folge aus Nullen und Einsen und auch nichts, worauf wir zugreifen könnten. Er ist die stille Ordnung, nach der Erscheinung überhaupt möglich ist. Diese Ordnung ist nicht veränderbar und nicht adressierbar. Sie zeigt sich nur darin, dass alles so erscheint, wie es erscheint.
Deine Frage nach aktiver Gestaltung berührt genau diesen Punkt. Gestaltung geschieht nicht dadurch, dass man tiefer eingreift, sondern feiner wird, indem die inneren Notwendigkeiten weniger werden. Handlung entsteht dann weiterhin, aber sie kommt aus Klarheit und nicht aus innerem Druck.
Sehr wahrscheinlich verändert sich das Leben also nicht dadurch, dass Du lernst, noch besser zu handeln, sondern dadurch, dass Du immer seltener das Gefühl hast, überhaupt handeln zu müssen, um Dich sicher oder richtig zu fühlen.
Und genau deshalb ist diese Veränderung oft so unauffällig.
Es gibt keinen Aha-Moment. Kein Gefühl von Macht oder Kontrolle.
Es fehlt einfach etwas: der innere Zwang.
Und dieses Fehlen ist der eigentliche Wendepunkt. Danke für Deine schönen Fragen! LG Nicole
Liebe Nicole,… das was du in dem Text beschreibst… ist anscheinend das, was hier unspektakulär passierte und passiert.
Es fällt so vieles irgendwie von allein ab.
Das Reiz- Reaktions- Muster verlangsamt sich taucht nicht mehr so erregt auf oder / und verblasst.
Eine gewisse Neutralität scheint sich einzustellen.
Eine unaufgeregte Wahrnehmung.
Zwar nicht bei allem was sich zeigt… z.B. Hier wenn es ungerecht Tiere oder Kinder betrifft.
Da springt das ganze System an und entwickelt eine enorme Wut- und Mut- Kraft, ein Aufgewühlt sein und einen Schmerz. Fühle dann so etwas wie ein Kriegerin mit Schwert oder Löwen- Mutter.
kampfbereit…wie eine Schutzpatronin.
Absolute kraftvolle Lebendigkeit.
Das spannende daran ist, was ich gerade betrachte/ sehe… dass diese enorme Mut Kraft häufig fehlte und fehlt, wenn es um mich selbst geht.
Also einfach los gehe für mich . Da ist häufig noch das Gefühl von Angst etwas zu wagen.
Ich weiß wohl, dass ich dieser Angst begegnen und sie fühlen will und muss. pöapö;). step by step….
upps, weiß gerade nicht ob ich vom Thema abgekommen bin.
Danke und alles Liebe, Antje
Liebe Antje,
Du bist überhaupt nicht vom Thema abgekommen. Im Gegenteil, Du beschreibst es sehr genau.
Das, was bei Ungerechtigkeit gegenüber Kindern oder Tieren in Dir anspringt, diese klare, kraftvolle Schutzenergie, ist kein Rückfall in alte Muster. Das ist lebendige, gesunde Reaktion. Sie kommt nicht aus Verstrickung, sondern aus Klarheit. Darum fühlt sie sich auch so eindeutig an.
Spannend ist Dein eigener Blick darauf, dass diese Kraft bei Dir selbst oft leiser ist. Das ist bei vielen so. Für andere einzustehen ist vertraut, für sich selbst bedeutet es oft, ein unbekanntes Terrain zu betreten. Genau dort taucht Angst auf, einfach als Hinweis darauf, dass hier noch etwas ungeübt ist.
Wichtig ist für mich – Du musst diese Angst nicht überwinden. Es reicht, ihr Raum zu geben, so wie Du es beschreibst. Schritt für Schritt, ohne Drama. Dann entsteht Bewegung nicht aus Kampf, nicht aus einem „Dagegen“ sondern aus innerer Zustimmung.
Und noch etwas: Diese Neutralität, von der Du sprichst, heißt nicht, dass Lebendigkeit verschwindet. Sie zeigt sich nur selektiver. Weniger Dauererregung, mehr Klarheit darüber, wann Energie wirklich gebraucht wird.
Danke für Deine Offenheit. Da ist sehr viel Stimmigkeit in dem, was Du wahrnimmst. Herzlich, Nicole
Liebe Nicole,
Deine Beobachtungsgabe ist mal wieder bemerkenswert. Danke, dass Du etwas so deutlich herausschnitzen kannst, dass es aus der Unsichtbarkeit in die Sichtbarkeit gelangt. 💞
Deinen Satz „Freiheit zeigt sich dort, wo eine innere Notwendigkeit wegfällt. “ werde ich noch nachwirken lassen, er hat es in sich.
Noch bin ich nicht an diesem Punkt, den Du beschreibst, dass die Reaktivität auf bisherige Trigger-Erfahrungen nachlässt. Ich bin noch in der Vorstufe, so dass ich eine Veränderung ganz gut in mir bemerke, nämlich dass so etwas wie „Ich möchte Mitgefühl für diejenigen empfinden können, deren Verhalten mich triggert, ich möchte das gemeinsame in uns finden, statt das Trennende in solchen Momenten.“ stärker in mir wird.
DAS ist definitiv neu für mich und möglicherweise, wenn dieses Sehnen, dass ich für mich als eine wichtige Ausrichtung für dieses Jahr gesetzt habe vermehrt von mir gelebt werden kann, kommen dann vielleicht auch die unmerklichen Veränderungen, von denen Du sprichst.
Ich wünsche Dir ein erfüllendes und verbundenes Jahr 2026 und danke Dir nochmals für Deine vielen anregenden Beiträge.
Sabine
Liebe Sabine,
danke Dir für Deine offenen Worte und Dein ehrliches Hinschauen. Ich möchte einen Punkt aus Deinem Kommentar aufgreifen und ihn ein wenig anders beleuchten, weil er wichtig ist.
Der Wunsch, Mitgefühl empfinden zu wollen, kann aus ganz unterschiedlichen inneren Bewegungen entstehen. Manchmal wächst er tatsächlich aus einem tieferen Sehen heraus, ganz ohne Anstrengung. Manchmal entsteht er aber auch als leiser Anspruch an uns selbst, so etwas wie: So sollte ich eigentlich reagieren. Und dann setzt man sich, oft unbemerkt, unter Druck.
Es ist vollkommen in Ordnung, getriggert zu sein, wenn Verhalten übergriffig, ungerecht oder respektlos ist. In solchen Momenten ist Abgrenzung oft gesünder als inneres Öffnen. Nicht alles muss integriert oder verstanden werden. Manches darf einfach auf Abstand bleiben.
Das Bild mit den Ebenen passt hier sehr gut. Wenn auf einer Ebene noch Wut, Verletzung oder klare Ablehnung da ist, dann gehört das genau dorthin. Diese Ebene will vollständig wahrgenommen werden. Nichts davon muss übersprungen oder „veredelt“ werden. Erst wenn eine Ebene wirklich durchlebt ist, verändert sich das Sehen von selbst, auf ganz natürliche Weise.
Mitgefühl, das aus echter Tiefe kommt, stellt sich von selbst ein. Es braucht kein Wollen. Und manchmal entsteht statt Mitgefühl einfach Klarheit darüber, mit welchen Menschen und in welchen Situationen es für Dich stimmig ist, präsent zu bleiben und wo Abstand gesünder ist. Auch das ist eine Form von Freiheit.
Für mich ist es weniger eine Frage von Entwicklung als von Ehrlichkeit gegenüber dem, was gerade wahr ist. Genau dort beginnt etwas sich wirklich zu ordnen. LG Nicole
Liebe Nicole,
so nach und nach zeigen sich deine Beschreibungen. Es ist ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe, eher überraschend und ungeplant.
Es ist wie, wenn sich ein größeres Bild zeigt und so ein umfassendes Verständnis, sowie ein Gefühl von Ordnung und Zustimmung daraus ergibt.
Zuerst hatte ich das Gefühl in der Besinnungslosigkeit zu verschwinden, was kurz Angst vor dem Unbekannten auslöste…….
Das erkennen geschieht erst im Rückblick, wie wenn man, auf einem hohen Berg, nach langem Aufstieg, über die Täler schaut und der sanfte Wind alles von dir abstreift und hinausträgt in die Weite des Raumes.
Es ist so anders und doch so vertraut.
Liebe Christine, danke Dir für diese feine, klare Beschreibung. Ja – genau so zeigt es sich oft: nicht geplant, nicht gemacht und erst im Rückblick erkennbar. Dass kurz Angst auftaucht, gehört dazu, wenn Orientierung sich neu ordnet. Und dass es sich am Ende vertraut anfühlt, zeigt, dass es um einen anderen Blick auf das geht, was schon da war. Danke fürs Teilen. LG Nicole