Wenn es leicht wird, weil es nie schwer war - anhören

von Nicole Paskow

Es gibt einen Punkt, der mich seit langem fasziniert, fast schon still begleitet, weil er so unscheinbar ist (in Wirklichkeit ist er sogar unsichtbar) und der gleichzeitig alles verschiebt. Es ist kein neues Konzept, keine Technik oder Übung. Es ist eine vollkommen einfache Einsicht, die mir lange unmöglich schien, weil sie allem widerspricht, was man überall sieht, hört und selbst jahrelang geglaubt hat. Es geht um die Einsicht, dass es nichts gibt, was ich innerlich bearbeiten, verändern oder überwinden müsste, damit sich etwas Wesentliches verändert.

Was mich daran so anspricht, ist die radikale Einfachheit: In dem Moment, in dem ich das wirklich sehe, verlieren Gedanken ihre Schwere und Gefühle verlieren ihren Anspruch, etwas über mich oder über die Realität auszusagen. Sie dürfen auftauchen und genauso wieder verschwinden, ohne dass etwas an mir oder an dem, was ist, beschädigt oder bewegt wird.

Ich habe lange geglaubt, Entwicklung bedeutet Arbeit. Arbeit an Gedanken, an Gefühlen, an Prägungen und alten Geschichten. Ich habe geglaubt, man müsse sich innerlich immer weiter verfeinern, um freier zu werden. Und ich kenne so viele Menschen, die genau das tun. Jahrzehntelang, mit Ernst, Disziplin, mit Hingabe. Immer in der Hoffnung, dass es irgendwann leichter wird, dass Gedanken leiser werden, Gefühle weniger fordernd, das Leben freundlicher.

Der entscheidende Punkt ist mir erst klar geworden, als ich bemerkt habe, dass all diese Arbeit von einer unausgesprochenen Annahme ausgeht. Von der Annahme, dass Gedanken und Gefühle real sind, dass sie Gewicht haben, dass sie eine Wahrheit über mich erzählen oder über die Welt. Dass sie ernst genommen werden müssen, weil sonst etwas Entscheidendes verloren geht.

Wenn Denken zur Wirklichkeit wird

Solange Aufmerksamkeit vollständig im Denken gebunden ist, fühlt sich genau das real an. Gedanken erscheinen nicht als Gedanken, sondern als Wirklichkeit. Sie stehen nicht für etwas, sie sind es. In diesem Zustand gibt es keinen Abstand, keine Beobachtung, kein Erkennen. Es gibt nur das Denken selbst, das sich als Realität ausgibt. Und aus dieser Perspektive heraus wird alles persönlich, schwer und existenziell.

Freude wird zum Beweis, Leid zur Bedrohung und beides bekommt eine enorme Bedeutung. Alles scheint wichtig, endgültig, folgenschwer. Man lebt in ständiger innerer Reaktion auf das, was gerade gedacht oder gefühlt wird und es erscheint völlig logisch, dass man daran arbeiten muss, weil es sich so real anfühlt.

Was sich bei mir langsam und fast unbemerkt verändert hat, war nicht der Inhalt meiner Gedanken. Es war der Blick darauf. Ich habe nicht gelernt, anders zu denken. Ich habe gesehen, was Denken überhaupt ist. Und dieser Moment war kein Highlight, kein Durchbruch, kein Heureka! Es war eher ein großes Erstaunen. Ein inneres Innehalten.

Ich habe erkannt, dass ein Gedanke nur existiert, solange Aufmerksamkeit bei ihm verweilt. Dass er keine eigene Substanz hat, keine Kraft und eine Wirklichkeit jenseits der Zuwendung, die er bekommt. Das war kein philosophischer Gedanke, das war eine direkte Erfahrung. In dem Moment, in dem die Aufmerksamkeit nicht mehr an ihm hing, war er schlicht weg. Er war nicht unterdrückt, nicht verdrängt, er war einfach bedeutungslos, verblasste und verschwand, als hätte es ihn nie gegeben.

Der Moment, in dem sich etwas neu ordnet

Und genau hier liegt für mich der eigentliche Clou. Es geht nicht darum, Gedanken oder Gefühle loszuwerden. Es geht darum zu sehen, dass sie nichts tragen, dass sie keine Last sind, die man ablegen müsste, sondern etwas, das nur schwer wirkt, solange man glaubt, es müsse ernst genommen werden.

In dem Moment, in dem das glasklar wird, fällt der Widerstand weg. Und zwar der Widerstand gegen die Einsicht, dass sie nie real waren. Und mit diesem Wegfall verändert sich alles, ohne dass man etwas verändert.

Ich musste mich dafür nicht von den Gedanken trennen. Die Gedanken haben mich verloren. Sie konnten mich nicht mehr festhalten, weil ich nicht mehr in ihnen stand. Und das war der Moment, in dem sich etwas geöffnet hat, das ich früher Fülle genannt hätte, heute aber gar nicht mehr so benenne.

Denn Fülle ist kein Zustand, der kommt. Sie ist nichts, das erzeugt wird. Sie ist das, was übrig bleibt, wenn der Gedanke, hier fehle etwas, keine Aufmerksamkeit mehr bekommt. Schlicht und ergreifend deshalb, weil er als purer Gedanke erkannt ist, etwas, das, in Wahrheit, so leicht ist, wie die fliegenden Samen von Pusteblumen. Oder sogar noch viel, viel leichter…

Wo Trennung wirklich entsteht

Der vielleicht schwindelerregendste Punkt dieser Einsicht ist für mich der folgende: Trennung existiert nur dort, wo sie gedacht wird. Sie ist nicht im Leben, nicht im Jetzt, nicht in der Erfahrung selbst. Der Gedanke, dass etwas fehlt, erschafft erst die Erfahrung des Fehlens. Ohne diesen Gedanken gibt es keine Trennung, die überwunden werden müsste.

Das ist für den Verstand kaum auszuhalten, weil er damit seine wichtigste Aufgabe verliert. Er kann nichts mehr reparieren, nichts mehr lösen, nichts mehr verbessern. Wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum diese unglaubliche Einfachheit so lange übersehen wird. Sie lässt nichts mehr zu tun übrig.

Ich habe lange geglaubt, das Unmögliche müsse sich spektakulär zeigen, als innerer Durchbruch oder deutliche Veränderung, als sichtbares Ereignis. Was sich tatsächlich verändert hat, ist unscheinbar. Es ist ein völlig neues Verhältnis zu Gedanken, zu Gefühlen, zu Möglichkeiten. Unmöglichkeit hat ihre Wahrheit verloren, Möglichkeit hat ihre Sehnsucht verloren. Es fühlt sich an wie eine Mitte, zwischen den Extremen.

Was bleibt, ist etwas sehr Nüchternes und zugleich sehr Lebendiges. Eine Handlungsfähigkeit ohne Drama. Ein Leben, das sich nicht mehr beweisen muss, dass es vollständig ist.

Und wenn ich jetzt so hinschaue, ist für mich  genau das das Unmögliche, das möglich geworden ist: Ich muss nichts erreichen, das sich nach Fülle anfühlt. Fülle ist da, sobald der Gedanke fällt, dass sie es nicht ist. Und erst da hab ich verstanden, was Entkoppelung wirklich bedeutet und wo sie mich hinführt, ohne mich bewegt zu haben.

DSC™ hat mir geholfen, diese Entkopplung ohne meinen Verstand einzuleiten. Es hat mir gezeigt, dass der Raum zwischen den Gedanken der ist, der sichtbar macht, was Gedanken sind, weil dieser Raum frei von Gedanken ist.

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Den ersten Teil findest Du hier:
Warum KI Technologie uns nie ersetzen kann
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Warum uns die Sprache für unser eigenes System fehlt
Den dritten Teil findest Du hier:
Was geschieht, wenn ein Reiz das System überschreibt?
Den vierten Teil findest Du hier:
Die Grenzen der Selbstbeobachtung
Den fünften Teil findest Du hier:
Warum wir unser eigenes System nie ansprechen konnten
Den sechsten Teil findest Du hier:
Warum echte Veränderung kaum auffällt
Den siebten Teil findest Du hier:
Direct System Code™: Ein praktischer Zugang zu innerer Neuordnung

 

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Jeder Text öffnet ein neues Fenster in die Weiten unseres Bewusstseins und ermutigt den Leser, die wahre Natur des Menschseins zu erkunden. Es ist eine Einladung, mit den inneren Augen zu sehen und die Klarheit zu finden, die in der Essenz unserer Existenz verborgen liegt.