Warum Erkenntnis allein keine Freiheit schafft-anhören

von Nicole Paskow

In vielen spirituellen Strömungen wird davon gesprochen, dass eine tiefe Einsicht alles verändert. Wenn klar erkannt wird, dass es kein festes Ich-Zentrum gibt, wenn die Identifikation mit Gedanken und Gefühlen durchschaut wird, dann soll sich das alte Mustergefüge auflösen. Das klingt folgerichtig und für einen Moment kann es sich auch so anfühlen.

Doch in der gelebten Erfahrung zeigt sich etwas anderes. Selbst nach tiefen Einsichten bleiben emotionale Strukturen bestehen. Gewohnheiten im Nervensystem setzen sich fort. Reiz und Reaktion laufen weiterhin in vertrauten Bahnen. Wut steigt auf, Angst zieht durch den Körper, Bedürftigkeit meldet sich, Rückzug oder Angriff folgen wie früher. Das bedeutet nicht, dass die Einsicht falsch war. Es bedeutet, dass Erkenntnis und Verkörperung zwei unterschiedliche Ebenen sind.

Der Geist kann etwas sehr klar sehen. Energetische Muster reagieren darauf jedoch nicht automatisch. Sie wurden über Jahre oder Jahrzehnte aufgebaut. Sie sind körperlich gelernt. Und sie verändern sich durch Erfahrung, nicht durch Argumente.

Freiheit zeigt sich im Umgang mit dem, was auftaucht

Wirkliche Freiheit beginnt dort, wo wir mit allem sein können, was sich in uns zeigt. Wut darf auftreten, ohne dass sie ausagiert wird. Angst darf spürbar werden, ohne dass sie sofort beruhigt werden muss. Schmerz darf durch den Körper ziehen, ohne dass wir ihn jemandem zuschreiben.

Wir sind jedoch gewohnt, anders zu reagieren. Ein Gefühl wird als Problem erlebt. Ein innerer Druck wird als Gefahr interpretiert, also handeln wir. Wir projizieren, wir ziehen uns zurück, wir klammern, wir erklären. Auf diese Weise versuchen wir, den Zustand loszuwerden.

Das Ausagieren von Schmerz oder Wut ist, in Wirklichkeit, eine Abwehr von Schmerz und Wut. Diese Unterscheidung kann allerdings erst sichtbar werden, wenn ein gewisser Grad an innerem Sehen vorhanden ist. Wer sich noch in überwältigenden traumatischen Zuständen bewegt, kann diese Differenz kaum erkennen. Dort steht zunächst Stabilisierung im Vordergrund. Dieser Artikel richtet sich an Menschen, die ihre Abwehrmechanismen bereits kennen und spüren, dass Einsicht allein nicht ausreicht.

Ein Beispiel aus Beziehungen

Nehmen wir eine typische Situation: Zwei Menschen haben unterschiedliche Nähe- und Distanzbedürfnisse. Der eine wünscht sich mehr Verbindung, der andere braucht mehr Raum. Derjenige mit dem stärkeren Nähebedürfnis erlebt schnell einen inneren Hunger. Es fühlt sich an wie emotionales Verhungern. Der Impuls entsteht, Druck aufzubauen oder Vorwürfe zu formulieren.

In diesem Moment liegt die Möglichkeit zur inneren Autorität. Der Hunger kann im Körper wahrgenommen werden. Er kann gehalten werden, ohne ihn sofort am anderen auszutragen. Aufmerksamkeit wird zur tragenden Kraft. Das Gefühl verändert sich durch diese bewusste Präsenz.

Auf der anderen Seite kann derjenige, der mehr Raum braucht, prüfen, ob Nähe als Erwartung erlebt wird, jemand sein zu sollen, der man nicht ist. Auch hier kann der Druck gespürt und gehalten werden, bis er sich wandelt.

Diese Fähigkeit ist Souveränität. Sie entsteht nicht durch eine Idee von Ichlosigkeit. Sie entsteht durch wiederholte Erfahrung von Präsenz unter Spannung.

Präsenz als trainierbare Fähigkeit

Wir bestehen aus mehreren Ebenen. Der Geist ist schnell, er versteht Zusammenhänge rasch. Das Nervensystem ist langsamer und reagiert auf Sicherheit oder Bedrohung. Wenn wir dem System signalisieren, dass ein innerer Zustand keine reale Gefahr darstellt, beginnt es sich umzustrukturieren. Das geschieht nicht durch Diskussion, sondern durch gelebte Erfahrung.

Genau hier setzt meine Arbeit an. Im Seminar wird in einem geschützten Rahmen geübt, Gefühle und Spannungen wahrzunehmen, ohne in die gewohnte Abwehr zu gehen. Die Gruppe dient als Spiegel für Präsenz, nicht als Verstärker für Drama. Schritt für Schritt wird erfahrbar, dass nichts Schlimmes passiert, wenn ein problematischer innerer Zustand Raum bekommt. Dabei geht es nicht um Perfektion, es geht um direkten Selbstkontakt, so wie er im aktuellen Moment möglich ist.

Der Direct System Code™ ist ein ergänzendes Selbstlernprogramm. Es unterstützt dabei, im Alltag bei einem Trigger präsent zu bleiben. Präzise sprachliche Marker helfen, die automatische Reaktion zu unterbrechen und dem Nervensystem eine neue Erfahrung zu ermöglichen. Es ist eine praktische Hilfe für Menschen, die ihre Muster bereits kennen und im Moment des Auftretens eine klare Erinnerung brauchen.

Innere Autorität bedeutet nicht dauerhafte Glückseligkeit. Sie bedeutet, alles auftreten lassen zu können, was auf der inneren Bühne erscheint. Aus dieser Fähigkeit entsteht emotionale Unabhängigkeit. Beziehungen werden ehrlicher und freier und dadurch auch oft viel näher. Entscheidungen werden klarer und kraftvoller. Handlungen werden direkter und stimmiger.

Erkenntnis ist sehr wertvoll. Verkörperte Präsenz aber ist transformierend.

 

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* Diese Arbeit richtet sich an Menschen, die über eine grundlegende Selbstregulation verfügen und ihre Muster bereits erkennen können. Bei akuter Traumadynamik oder starker emotionaler Überwältigung braucht es zunächst spezifische therapeutische Stabilisierung. Diese Arbeit ersetzt keine Psychotherapie.

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In einer Welt, in der das Offensichtliche selten hinterfragt wird, lädt „Ein Riss in der Realität“ dazu ein, tiefer zu blicken und die unsichtbaren Fäden zu entdecken, die unser Sein durchdringen. Dieses Buch versammelt 24 inspirierende Essays, die ursprünglich als Adventskalender auf Nicole Paskows Blog entstanden sind.

Jeder Text öffnet ein neues Fenster in die Weiten unseres Bewusstseins und ermutigt den Leser, die wahre Natur des Menschseins zu erkunden. Es ist eine Einladung, mit den inneren Augen zu sehen und die Klarheit zu finden, die in der Essenz unserer Existenz verborgen liegt.