In der spirituellen Szene hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass Erwachen ein Ereignis ist. Ein Moment der Gnade, ein innerer Knall, ein Bewusstseinssprung, nach dem das alte Ich verschwindet und das Leben auf eine neue Ebene gehoben wird. Dieses Bild ist kraftvoll, weil es Klarheit verspricht und ein Ende der inneren Verstrickung in Aussicht stellt.
Für manche Menschen mag es solche Durchbrüche geben. Für die meisten zeigt sich Erwachen anders, leiser, unspektakulärer und zugleich nachhaltiger. Es ist weniger ein Bruch als eine Verschiebung der Position, weniger ein Ende von Mustern als eine neue Perspektive inmitten derselben Dynamiken.
Erwachen bedeutet in diesem Verständnis nicht, dass keine Impulse mehr auftauchen. Konkurrenz, Ärger, Neid oder Stolz können weiterhin spürbar sein, manchmal sogar mit großer Intensität. Der Unterschied liegt darin, dass sie nicht mehr das Zentrum bilden, sondern in einem Raum erscheinen, der größer ist als sie selbst.
Wiederholung als Vergrößerungsglas
Muster wiederholen sich. Eine bestimmte Reaktion, eine vertraute Spannung, ein Impuls, der sich immer wieder durchsetzen will, taucht erneut auf, vielleicht in anderer Verpackung, doch mit derselben inneren Struktur. Diese Wiederholung ist kein Beweis für Scheitern, sondern eine Form von Sichtbarmachung.
Was sich wiederholt, wird deutlicher. Der Ablauf wird klarer erkennbar, die innere Mechanik tritt schärfer hervor, der Preis wird spürbarer. Mit jeder Runde wird offensichtlicher, wie der Prozess funktioniert, und irgendwann ist er so transparent, dass er sich nicht mehr übersehen lässt.
Anfangs liegen Impuls und Handlung dicht beieinander. Die Energie steigt auf und wird automatisch umgesetzt. Mit der Zeit entsteht eine kleine Lücke, ein Moment der Wahrnehmung, in dem der Impuls noch stark ist, aber gleichzeitig gesehen wird. In dieser Lücke beginnt sich etwas zu verschieben.
Die leise Positionsverschiebung
Diese Verschiebung ist kein dramatisches Ereignis. Die Energie ist weiterhin da, sie kann sich im Körper ausbreiten und deutlich spürbar sein. Gleichzeitig wird sie wahrgenommen, ohne dass sofort gehandelt werden muss.
Früher war ich die Reaktion. Jetzt erscheint die Reaktion in mir. Dieser Unterschied wirkt unscheinbar und verändert doch die gesamte innere Architektur. Der Impuls verliert seine Absolutheit, weil er in einem größeren Feld sichtbar wird.
Präsenz entsteht dabei nicht neu. Sie war immer da, auch während Identifikation geschah. Was sich verändert, ist die Transparenz. Identifikation wird durchsichtig, und in dieser Durchsichtigkeit wird Präsenz auf sich selbst aufmerksam.
Gegen den Absolutismus des Erwachens
Viele spirituelle Erzählungen zeichnen das Bild eines endgültigen Zustands. Erwachen erscheint dort als ein Punkt, nach dem alles geklärt ist und alte Dynamiken keine Rolle mehr spielen. Deep Access positioniert sich klar gegen diesen Absolutismus.
Erwachen zeigt sich als zunehmende Durchsichtigkeit im Prozess. Der Mechanismus wird erkannt, während er läuft. Energie kann noch rollen, Impulse können noch auftauchen, doch sie rollen nicht mehr im Zentrum der Identität.
Es braucht keinen heroischen Bruch und keinen spektakulären Moment. Die Transformation geschieht mitten im Geschehen, im Erkennen der Struktur, im Halten der Energie, ohne ihr vollständig zu dienen.
Präsenz im Körperlichen
Besonders deutlich wird diese Perspektive im Umgang mit körperlichen Symptomen. Viele Menschen fragen sich, ob Präsenz auch dann möglich ist, wenn kein erkennbarer Auslöser vorhanden ist, sondern direkter Schmerz im Körper spürbar wird.
Körperlicher Schmerz wirkt unmittelbarer als emotionale Trigger. Er aktiviert das Nervensystem schnell und intensiv. Häufig ist es jedoch nicht allein die Empfindung, die destabilisiert, sondern die innere Bewegung, die sagt, dass es anders sein müsste.
Präsenz bedeutet hier, neben der Empfindung auch den Widerstand gegen sie wahrzunehmen. Schmerz kann da sein, und zugleich kann gesehen werden, wie sich innerer Kampf aufbaut. Diese Wahrnehmung verschiebt das Zentrum, selbst wenn die Empfindung bleibt.
Stabilität statt Heilsversprechen
Deep Access verspricht keine Schmerzfreiheit und keine endgültige Musterauflösung. Es ist kein Heilversprechen, sondern ein Training in innerer Autorität. Es geht darum, im Erleben nicht zu kollabieren, auch wenn Energie, Emotion oder körperliche Empfindung stark sind.
Manche Muster verlieren mit der Zeit an Kraft, weil sie nicht mehr mit identifikatorischer Aufmerksamkeit genährt werden. Manche Symptome verändern sich, wenn der innere Kampf endet. Doch das sind mögliche Folgen, nicht das Ziel.
Das Ziel ist Stabilität. Die Fähigkeit, im Impuls nicht zu verschwinden. Die Erfahrung, dass etwas in mir ruhig bleibt, auch wenn etwas in mir tobt. Diese Ruhe ist keine Gleichgültigkeit, sondern Klarheit.
Deep Access als Training
Deep Access ist ein Training dieser Positionsverschiebung. Es richtet sich an Menschen, die keine endgültigen Zustände suchen, sondern einen tragfähigen inneren Stand im Alltag. Es geht darum, Präsenz nicht als Ausnahmeerfahrung zu erleben, sondern als verlässliche Instanz.
Erwachen ist in diesem Sinne kein einmaliges Ereignis, es ist ein fortlaufendes Sichtbarwerden von Präsenz im Prozess der Desidentifikation. Kein Endpunkt ist nötig, keine perfekte Integration muss erreicht werden.
Impulse dürfen auftauchen, Energie darf intensiv sein, Schmerz darf spürbar sein. Präsenz war nie abwesend. Sie wird sichtbar, wenn Identifikation ihre Selbstverständlichkeit verliert und das Zentrum sich verschiebt.
Zum Deep Acces Training: Innere Autorität
Gestern beim Spazierengehen in der Natur habe ich meine VR Brille einfach abgesetzt. Meine Gedanken standen einfach nicht mehr für die Erschaffung von Erinnerungsfilmen, Gefühlsschleifen, Beurteilungen oder Bewertungen zur Verfügung.Der Schlüssel – die DSC Tagessequenz
Was Du beschreibst, ist sehr genau, Johannes.
Die Welt war dieselbe, der Spaziergang war derselbe, Deine Gedanken waren da. Und doch standen sie Dir nicht mehr automatisch zur Verfügung,
um Filme zu produzieren, Erinnerungen zu bauen oder Bewertungen zu spinnen.
Genau das meine ich mit Positionsverschiebung. Es ist kein Wegdrücken von Gedanken und kein besonderer Zustand.
Es ist ein Moment, in dem Identifikation unterbrochen ist.Dass Du das mit der DSC-Tagessequenz verbindest, freut mich.
Denn die Struktur des Direct System Code trainiert genau diese Unterbrechung durch bewusste Neuausrichtung.
Die VR-Brille war nicht zerstört. Du hast sie abgesetzt. Und das Entscheidende ist: Du konntest sie absetzen.
Darum geht es. Danke für Dein Teilen! LG Nicole
Lieber Johannes, … zuerst musste ich länger kramen, bis ich begriff, was die Abkürzung VR in der Brillen-Metapher bedeutet. Dann dachte ich: es gibt wohl nicht nur eine, sondern mehrere verschiedene, vielleicht viele solche „künstliche Realitäten“ – jedenfalls ist es toll, diese „Brille(n)“ auch mal „absetzen“ zu können , das ist sicher ein glücklicher Moment des Erwachens aus der üblichen, so gewohnt gewordenen Trance !
Lieber Willi
Ich habe noch einmal bei der KI nachgefragt was eine virtuelle Realität ist.
Ich sehe viele Analogien in der technisch und künstlich generierten Computerwelt, zu der Welt die wir uns in unseren Gedanken konstruieren und vorstellen, beurteilen bewerten und für Wirklichkeit halten.
Ich habe jetzt einfach mal das ständige Gedanken rauschen mit der Betrachtung unserer Welt durch eine VR Brille verglichen.
Für mich ist es manchmal tatsächlich so dass ich diese VR Brille absetzen kann. Dann bleibt nur noch staunen.
Hier die Definition der KI über die VR.
*Merkmale einer virtuellen Realität:*
– *Immersion*: Die Fähigkeit, sich vollständig in die virtuelle Welt hineinzuversetzen und sie als real zu empfinden.
– *Interaktivität*: Die Möglichkeit, mit der virtuellen Umgebung zu interagieren und sie zu beeinflussen.
– *Simulation*: Die virtuelle Realität ahmt eine reale oder fiktive Umgebung nach, um ein bestimmtes Erlebnis zu erzeugen.
Liebe Nicole, danke für diese Klarstellung: dass das Erwachen aus der (wie immer verursachten oder zustandegekommenen) Trance kein einmaliges fulminantes Ereignis, sondern ein stetiger Prozess ist, … dass die sog. „Erleuchtung“ / die ‚Präsenz‘ / die „Herrlichkeit des Lebens“ (…und des Liebens) heißt es bei Kafka … immer & überall DA ist, und wir sie „nur“ zulassen … müssen / können / dürfen.
Dass die erleuchteten & erwachten Meister auch ‚ganz normale‘ Menschen sind, die auch „ein Ego“ … ‚haben‘ – und nur gelernt, d.h. geübt haben, etwas anders damit umzugehen. Alles Liebe, Willy
Ist mein *Ego* und mein *Ich Gefühl* ein nützliches Instrument? Muss ich mein Ego unbedingt loswerden oder kann ich das nach Bedarf einsetzen und auch wieder loslassen?
Mein Alltag stellt mich immer wieder vor Herausforderungen.
…Ich will eine Prüfung bestehen, ich will im Wettbewerb nicht untergehen… Ein zielgerichtetes Handeln um mein Überleben zu sichern erscheint offensichtlich notwendig zu sein.
Auch in der Natur gibt es einen Verdrängungswettbewerb einen Überlebenskampf. In der Natur regeln Instinkte und genetisch eingebaute Programme die Entwicklung der Evolution.
Für mich als Mensch steht mein Verstand zusätzlich zur Verfügung. Ich könnte auch sagen: Mein Verstand steht irgendwie dazwischen. Mein Verstand erschafft eine Person, die mit einem Ego ausgestattet ist.
Dieses Ego sieht sich als Mittelpunkt der Welt und möchte als getrenntes Wesen unbedingt überleben und die Welt beherrschen.
Mein Verstand hat ein Erinnerungsvermögen und kann Erfahrungen abspeichern. Ich kann Erfahrungen nutzen um aktiv mein Leben zu gestalten und um meine aktuelle Situation zu verbessern.
Wer sagt denn da jetzt: Mein Verstand? Wem gehört der Verstand? Ist es das Gefühl *ICH BIN* ? Ist es das Gefühl einfach DA zu sein … schon immer… solange meine Erinnerung besteht?
Ist das ICH BIN das erste Schöpfungswort, der erste konkrete Schöpfungsgedanke? ICH BIN ist wach und war immer wach.
ICH BIN ist der oder die Erwachte.
Der ununterbrochen plappernde Verstand schiebt sich permanent in den Vordergrund. Mein Verstand ist süchtig danach der Mittelpunkt der Welt zu sein. Es ist eine Sucht, die nicht als Sucht erkannt wird, sondern als Normalzustand der alles überlagert und alles dominiert.
ICH BIN ist kein ich Gefühl im Sinn von Ich und du. ICH BIN ist die Gewissheit hier und jtzt da zu sein. ICH BIN ist mehr ein Beweis, dass die Welt gesehen wird. ICH BIN ist der einzige Beweis, dass die Welt existiert.
Ohne ICH BIN ist einfach NICHTS.
Ein gewöhnlicher Tag – DEEP ACCESS – DSC live dabei
Heute ging ich früh am Morgen außer Haus. Es war noch finster. Im Flur hatte ein Obdachloser Platz genommen, der mich mächtig erschreckt hat. Ich rannte so schnell ich konnte an ihm vorbei. Sofort zogen Gedanken auf . . .wieso liegen denn diese Menschen so unkontrolliert herum?…wieso gibt es nicht die nötigen Unterschlupfmöglichkeiten für diese Menschen?. . .wieso
tut die Regierung denn nichts dagegen? wieso wieso wieso. . .tut denn keiner was, damit ich meine Ruh hab. . .Doch bevor ich restlos vereinnahmt war von meinem inneren Gebrabbel fiel mir die SOS Sequenz in den Sinn. Das war wohltuend die Pause von den mich beschlagnahmenden Gedanken. Der Atem wieder frei.
Am Nachmittag geriet ich zufällig in eine Demonstrantengruppe. Beim Queren auf die andere Straßenseite stieß ich mit einer Demonstrantin zusammen, was mich veranlasste sie zu fragen:‘ Was ist denn da los?‘ Sie deutete kurz auf das Schild mit einer Schildkröte, die sich in einem PlastikNetzHaufen verfangen und erhängt hatte. Nebeneinanderhergehend kamen wir ins Gespräch. Sie sagte, dass sie eine engagierte Umweltaktivistin sei und lud mich zur anstehenden Abschlussveranstaltung ein. Ich verneinte. Die Atmosphäre war so aggressiv; so voller wütender Gesichter. . . Sie bemerkte etwas bissig: ‚ja wenns schwierig wird machen sich sehr Viele vom Acker!‘ Ich stimmte ihr zu. Wir verabschiedeten uns voneinander.
Nebenbei bemerkt: Meine Neigung war groß ihrer Einladung zu folgen, ließ ich mir normalerweise doch ungern so viel buntes Treiben entgehn.
Doch mein Impuls, mich unter einen Baum zu setzen, war stimmig und nicht aus Trägheit motiviert. Ich hatte auch gar nicht das Gefühl, dass ich hiermit die geliebte Schildkröte verraten würde.
Ich war entspannt und präsent in innerer Autorität.
Jeder Mensch ist ein Ausdruck von Liebe-Freiheit
und dazu da, Das höchstpersönlich zu entdecken-
in jedem Augenblick- und das Leben aus der Verankerung in sich selbst zu genießen.
Kein Schatten muss dabei verschwinden.
Wir dürfen/müssen lernen mit ihnen zu tanzen, sie zu integrieren.
DEEP ACCESS-DSC unterstützt mich maßgeblich dabei, leichtfüßig, widerstandslos zu tanzen im Alltag:
Tief zu lauschen und dabei in verkörperter Präsenz das Leid zu überwinden.
MERSÍ NICOLE