Das Absolute und Du - anhören
Wenn wir in einen Apfel hineinzoomen, wenn wir tief in sein Innerstes blicken, dann begegnen wir zunächst den Atomen, dann den Molekülen, dann den Photonen, den Neutronen, den Quarks, Neutrinos, und ganz zum Schluss den Strings – energetischen Mustern. Weiter kann die Wissenschaft nicht blicken. Dort endet der messbare Raum, die letzte Grenze, die auch noch benannt werden kann – danach beginnt das Unnennbare.
Und doch, obwohl wir diese kleinsten Einheiten benennen, klassifizieren, katalogisieren können, sagt uns das nichts über das Wesen des Apfels. Die Tiefe der Dinge offenbart sich nicht allein durch Analyse – sondern durch Bewusstheit.
Wenn wir in uns selbst blicken, was finden wir da? Gedanken, Gefühle, Empfindungen, viele Wahrnehmungen. Erinnerungen steigen auf, Geschichten, Überzeugungen, Hoffnungen, Ängste. Aber wenn wir uns fragen: Was ist dahinter? Wo kommt all das her? Worin findet es statt? Was ist der Raum für die Möbel, die darin stehen? Was ist der Raum, in dem Gedanken geschehen?
Das stille Zentrum des Seins
Wir zoomen immer tiefer in uns hinein und gleichzeitig immer weiter zurück, bis wir an dem Ort landen, an dem wir lediglich unsere Anwesenheit bezeugen können. Kein Gedanke bleibt. Keine Form. Kein Wort. Nur die stille Gewissheit: Ich bin da. Das ist der äußerste Horizont, von dem aus kein Schritt mehr möglich scheint.
Wenn wir selbst noch die Richtungen verlieren – oben, unten, innen, außen – bleibt nur noch: Ich bin. Und wenn wir den Bezug auch noch verlassen, dann bleibt: Bin. Reines Sein. Und wenn wir auch diesen letzten Anker noch gehen lassen – was bleibt dann?
Schweigen. Als jene Stille, die vor allem liegt. Kein Zustand. Keine Erfahrung. Sondern das, was allem zugrunde liegt. Gott. Das, was der Schöpfung vorausgeht. Das Absolute.
Das Licht des Gewahrseins
Unser Ursprung ist unbenennbar, weil er jenseits der Begriffe liegt. Er ist nicht mehr auffindbar für das Wahrnehmende. Denn jede Wahrnehmung braucht zwei: einen, der wahrnimmt, und etwas, das wahrgenommen wird. Doch das Absolute ist kein Etwas. Es ist das, was allem vorausgeht.
Um es zu erkennen, brauchen wir das Licht des Gewahrseins, das es überhaupt ermöglicht, dass etwas wahrgenommen wird. Und damit klar wird, was wir da überhaupt wahrnehmen, braucht es das Bewusstsein, das ICH BIN, um erkenntnisfähig zu sein.
Deshalb ist mit unserem ICH nichts verkehrt. Im Gegenteil: Es ist das Auge Gottes in der Welt. Es ist notwendig, um überhaupt Erfahrungen machen zu können. Es ist notwendig, um GOTT zu erkennen. Ohne das Ich – keine Erkenntnis. Gott ist blind ohne den Menschen, der ihn sieht. Er braucht den Menschen, um seine Herrlichkeit zu feiern. In jedem Blick, in jedem Gedanken, in jeder Berührung spiegelt sich das Absolute in seinem relativen Ausdruck.
Vom Trennen und Wiedererkennen
Wenn der Mensch erkennt, dass er nie getrennt war von Gott – wie der Meeresboden nie getrennt ist von seiner Oberfläche – dann entspannt er sich. Dann fällt alles Kämpfen ab. Dann endet das Suchen. Denn er weiß: Ich bin das, was ist.
Das Absolute ist das Relative. Es ist das sichtbargemachte Göttliche als Mensch. Kein Unterschied. Kein Dazwischen. Wo der Unterschied einzieht, zieht der „Teufel“ ein, der alles trennt. Die Sünde, die Absonderung, der Abfall vom absoluten Dasein, das nichts von sich selbst weiß und damit im immer gegenwärtigen Frieden ist, der absoluten Liebe, die alles in sich trägt – was im göttlichen Licht durch die Augen des Menschen sichtbar wird.
Es gibt nichts, was außerhalb von Gott geschehen könnte. Wir müssen nicht gerettet werden. Wir sind nie in Gefahr gewesen. Und werden es nie sein. Auch wenn es im Licht des getrennten Geistes immer so aussehen wird. Auch wenn die Illusion des Ich sich immer wieder als eigenständig erlebt.
Die Rückkehr ohne Weg
Vom Teufel besessen zu sein, bedeutet nichts anderes, als Gottes Allgegenwärtigkeit zu leugnen. Es bedeutet, sich außerhalb zu wähnen. Als sei man gefallen. Verloren. Als müsste man etwas tun, um zurückzukehren. Doch es gab kein Weggehen. Nur die Idee davon. Das ist Religio – die Rückanbindung an das, was vor allem ist und gleichzeitig alles erschafft.
Der Mensch ist die Blüte des Samens, dessen Wurzeln im Unsagbaren gründen. Die Frucht eines göttlichen Ursprungs, der sich selbst erfahren will. Die frohe Botschaft ist: Du bist schon geliebt, bevor Du zum ersten Mal die Augen geöffnet hast. Bevor Du wusstest, was Licht ist, warst Du schon Teil der Sonne.
In diesem Erkennen liegt der Trost. In dieser Rückkehr liegt keine Anstrengung. Sondern Hingabe. Eine Hingabe an das, was Du schon immer warst.
Das Absolute ist kein Ziel. Es ist das, was Du niemals verlassen hast.
Nur die Idee der Trennung erschafft Grenzen – sie bringt Mangel hervor
und den endlosen Kampf um Sicherheit, Halt und Glück.
Doch Du bist Ursache und Wirkung zugleich.
Absolut jetzt. Absolut hier. Im Rascheln der Blätter. Im Licht der Sonne. In diesem Atemzug, der Brust und Herz weitet.
Alles, was Du brauchst, ist da.
Immer. Und Du kannst darauf vertrauen.
In einer Welt, in der das Offensichtliche selten hinterfragt wird, lädt „Ein Riss in der Realität“ dazu ein, tiefer zu blicken und die unsichtbaren Fäden zu entdecken, die unser Sein durchdringen. Dieses Buch versammelt 24 inspirierende Essays, die ursprünglich als Adventskalender auf Nicole Paskows Blog entstanden sind.
Jeder Text öffnet ein neues Fenster in die Weiten unseres Bewusstseins und ermutigt den Leser, die wahre Natur des Menschseins zu erkunden. Es ist eine Einladung, mit den inneren Augen zu sehen und die Klarheit zu finden, die in der Essenz unserer Existenz verborgen liegt.
Puh, liebe Nicole, wenn der Körper nahezu dauerhaft in Unruhe ist wie bei mir, scheint Sicherheit einer Erlösung gleich zu kommen und die Idee vom „Alles ist schon da“ ist mit der gefühlten Realität nicht in Einklang zu bringen. Wie eine Utopie…
Ja, Frank. Das ist so. In dem Fall geht es vorrangig darum, Dein System zu beruhigen. Vorher ist ein Blick über den Horizont nicht möglich. Und diese Themen bleiben Utopie.
Liebe Nicole, sehr, sehr schön ❤️. Kommentare würden deinen Worten nicht gerecht.
Ich kann es nur so wieder geben, wie ich es wahrnehme. Auch wenn die Suche nicht mehr im Vordergrund steht, geht es auch nicht ohne. Es ist anders, die Anstrengung, Verbissenheit etc ist nicht mehr da, bzw nicht mehr so präsent. Ich fokusiere mich nicht mehr auf andere, so zu sein oder genau das erreichen zu wollen. Vergrabe mich nicht mehr verbissen in Bücher, weil ich meine etwas verpassen zu können oder das ist jetzt aber der Schlüssel zu was auch immer. Ich lebe wieder mehr, ohne diese ständige verbissene Suche und kriege wieder mehr von meiner Umgebung mit und es fühlt sich gut an. Trotzdem kommt immer wieder dieser Hoffnungsschimmer, doch noch etwas tun zu können, was dann immer dazu führt, daß es nichts gibt, was ich finden oder tun kann um zu…. Ich gebe dem Drang nach, weil es mir sonst nicht gut geht. Wenn ich es einfach mache ohne dagegen anzukämpfen, funktioniert es eigentlich ganz gut und die Unruhe, Schmerz etc verflüchtigt sich doch recht schnell. Ich kann dir gar nicht genug danken, du hast mir die richtigen Impulse gegeben 💓💋❤️😘
Liebe Ines, danke Dir für Deine offenen Zeilen. Es freut mich sehr zu lesen, wie sich die Dinge in Dir verschoben haben –
weg von der Anstrengung, hin zu mehr Weite und Lebendigkeit.
Deine Worte zeigen, wie viel Klarheit und Selbstbeobachtung in Dir gewachsen ist. Dass ich Dir dahingehend Impulse
geben durfte, freut mich sehr. Herzlich,
Nicole