Was suchen wir, wenn wir nach uns selbst suchen? Suchen wir einen Kern, den wir vorher nicht wahrgenommen haben? Suchen wir nach einem guten Gefühl, das uns endlich erlaubt „die zu sein, die wir sind?“ So viele Menschen haben sich in ihrem Leben auf den Weg zu sich selbst gemacht und viele suchen auch im hohen Alter noch. Es gibt tausende Methoden sich auf sich selbst einzulassen, bei sich zu sein, nicht von sich abzuweichen. Es gibt unzählige Hinweise auf das wahre Selbst, in und auf unzähligen Bewusstseinsebenen. Betritt man einmal dieses Labyrinth, kann man sich sehr schnell verlaufen und sogar verrennen.

Was ist es, das uns antreibt, das uns weiter und weitersuchen lässt? Es ist die Hoffnung, eines Tages fündig zu werden, eines Tages gefunden zu haben, wonach wir nicht mal wissen, wie es „aussehen“ oder „sein“ soll. Wir hören anderen zu, die sich scheinbar gefunden haben und stricken uns unsere eigene Vorstellung daraus, wie es wohl für uns selbst wäre „dort“ zu sein, wo die „Erleuchteten“ sind. Und dann träumen wir von der Erlösung, von dem, wie es sein wird, wenn wir endlich angekommen sein werden.

Das Fazit nach meiner ungefähr 10jährigen, intensiven Suche ist wie das des „Alchimisten“ von Paolo Coelho. Am Schluss kehrt er an den Ausgangspunkt seiner Reise zurück und erkennt: Der Schatz war schon immer hier. Ich – bin schon immer hier. Ich war nie weg und kann mich in keiner Weise verlassen. Wer bin ich? Und – Was ist das hier? Waren die zwei Fragen, die ich im Gepäck hatte.

Komplex und doch sehr einfach … 

Die Antwort ist schnell erzählt: Ich bin das, was selbst nicht im Leben auftaucht als etwas, das erfahrbar wäre. Ich bin das, was sich selbst als mein Leben als diese Person erfährt. Das, was ich bin, wird immer hinter verschlossenen Türen bleiben. Es bleibt für immer und ewig unerreichbar. Denn es ist nichts anderes. Nur etwas anderes lässt sich erreichen. Ich kann mich nicht erreichen, weil ich Ich bin.

Ich kann mich erleben. Ich sehe im Spiegel die Figur, die ich in diesem Lebensfilm erfahre. Ich erfahre mich durch die Gefühle, die ich wahrnehme, durch die Gedanken, die auftauchen, durch die Handlungen, die sich vollziehen, durch die Menschen, die mir begegnen, durch die Umgebung, in der ich bin. Das ist die einzige Möglichkeit der Erfahrung meines Daseins. Ich bin das Medium für mich selbst. Die Suche ist zu Ende, weil alles an einem Ort ist. Es war nur die Idee, dass das, was ich bin, woanders zu finden wäre als dort, wo ich schon bin, die mich fortgetrieben hat.

Selbst die Suche im sogenannten Inneren muss zwangsläufig ergebnislos bleiben, weil ich auch dort nur auf Gefühle, Gedanken, Empfindungen treffe. Ich bin wie die Luft im Luftballon. Sie gibt ihm seine Form ist selbst aber unsichtbar. Ich selbst bin nur Ich und kann nur durch diese Augen sehen, die ich mir zuschreibe. Ich kann nur diese Gedanken erfahren, die ich erfahre, ich kann nur fühlen, was ich fühle, ganz direkt. Ganz unmittelbar. Die Erfahrung des Lebens als dieser Mensch macht mich sichtbar, ohne mich zu entblößen. Ich bin vollkommen nackt und werde immer nur als genau diese Person veröffentlicht, die ich im Spiegel sehe.

Das totale Zurückgeworfensein

Das Ende der Suche ist ein vollkommenes Gewahren der Absolutheit meines Seins. Das totale Zurückgeworfensein auf mich selbst, so wie dieser Augenblick mich zeigt. Es gibt keine Bewegung weg, in keine Richtung, weil ich überall bin, wo Erfahrung ist. Wo Erfahrung nicht ist, jenseits des Erlebbaren, ist mein absoluter Ursprung. Ich könnte Jahrtausende durch das Universum fliegen, ich würde diesen Ursprung nie erreichen. Denn er verbleibt für alle Zeit in sich selbst, dort, wo es keine Zeit gibt, genau hier und jetzt – als das, was in allem und als alles ist.

Zeit vergeht nur im Erlebensraum, im Bewusstsein des Lebens. Das Leben ist der Traum des Absoluten. Beides ist untrennbar verwoben. Absolut Ich – ist das unendliche Ende und der anfangslose Anfang der Ewigkeit. Es bedeutet konkret: Es gibt nur diesen Augenblick der Erfahrung. Immer nur diesen Augenblick, so, wie er ist. Du kommst hier nicht raus. Egal, was Du versuchst, Du entkommst weder Deinen Gedanken noch Deinen Gefühlen. Alles, absolut alles, was Du erfährst, ist Ausdruck Deines Selbst. Du kannst nicht nicht Du selbst sein und Du wirst nichts finden, was mehr Du ist, als Du Dich schon erfährst. Es gibt daraus keine Schlussfolgerung. Keine Handlungsanweisung wie: „Also dann werde ich ab jetzt nichts mehr gegen meine Gefühle unternehmen“, oder „Dann werde ich ab jetzt nicht mehr nach mir suchen …“

Es ist sinnlos. Manchmal fühlst Du Dich so, ein anderes Mal fühlst Du Dich anders. Das ist es schon. Selbst die Anweisung „Sei damit!“ ist schon überflüssig. Du bist sowieso mit Dir, als Du, in jedem Augenblick. Du erfährst Dich in unterschiedlichen Zuständen. Das ist alles.

Nichts ist von Dauer

Es wird niemals einen dauerhaften Zustand der Selbsterfahrung geben, weil alles, was wir erfahren können, kommt und geht. Das ist das Dilemma des Seins. Es findet zwischen Polen statt. Du wirst Dich weiterhin manchmal gut fühlen und Du wirst Dich weiterhin manchmal schlecht fühlen. Das hat kein Ende. Das, was Du bist, ist das, was sich nie verändert, weil es immer genau das ist, was ist. Heute zeigt es sich als Glück, morgen als Unglück. Leben heißt Wandel. Da kann man nichts „tun“.

Man kann auch nicht „aufgeben“ und nichts so sein lassen, wie es ist, weil es das schon ist. Du existierst nur in diesem Schluck Kaffee, in diesem Blick in die Wolken, in diesem Gang zur Toilette. Du existierst nur in diesem Gespräch, im Lesen dieses Textes, im Heben Deiner Hand …

Mehr Existenz gibt es nicht. Denn alles andere ist nicht aussprechbar, alles, was jenseits der sinnlichen Erfahrung liegt. Was wir Gott nennen, ist allgegenwärtig in Blatt und Baum und Hund und Katz. Doch was Gott ist, bleibt in sich verborgen, wie die Wurzel des Baumes in der Dunkelheit der Erde liegt. Ihr Ausdruck zeigt sich als Baum im Licht der Sonne.

So ist die Wurzel Deines Seins immer auch gegenwärtig in ihrer Unerfahrbarkeit, während Du im Licht Deines Selbst als der Mensch erscheinst, der Du bist. Mit allem Drum und Dran. Du musst weder sein, wie Du bist, noch werden, wer Du bist, weil Du schon immer und ewig bist, was Du bist. Es gibt nichts zu tun. Also tu, was Du willst! 🙂

 

Am 11. Februar um 18 Uhr, findet dazu eine Selbstbegegnung Online statt. Klick hier, für weitere Infos … 

 

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