Das Gewahrsein des Gewahrseins- anhören
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In einer Welt, in der das Offensichtliche selten hinterfragt wird, lädt „Ein Riss in der Realität“ dazu ein, tiefer zu blicken und die unsichtbaren Fäden zu entdecken, die unser Sein durchdringen. Dieses Buch versammelt 24 inspirierende Essays, die ursprünglich als Adventskalender auf Nicole Paskows Blog entstanden sind.
Jeder Text öffnet ein neues Fenster in die Weiten unseres Bewusstseins und ermutigt den Leser, die wahre Natur des Menschseins zu erkunden. Es ist eine Einladung, mit den inneren Augen zu sehen und die Klarheit zu finden, die in der Essenz unserer Existenz verborgen liegt.

Liebe Nicole,
Mich berührt an Deinem Text sehr, dass Du Gewahrsein nicht als Methode oder Ziel beschreibst, sondern als das, worin alles erscheint. Eine Frage habe ich dazu: Wie verhinderst Du für Dich, dass diese Sicht im Alltag zu abstrakt oder „über den Dingen schwebend“ wird? Anders gesagt: Woran zeigt sich dieses Gewahrsein für Dich ganz konkret, wenn Angst, Konflikt, Verantwortung oder Schmerz im normalen Leben auftauchen?
Alles Liebe,
Olaf
Lieber Olaf,
vielleicht kann ich es ganz einfach sagen: Gewahrsein ist für mich nichts, was ich erreichen muss.
Ich kann nichts erreichen, was ich schon bin. Ich kann mir dessen nur gewahr werden. Und ich habe nichts
davon – im Sinne von Besitz. Was ich bin, ist, es ist kein Objekt.
Gewahrsein ist das, was mir zugrunde liegt. Nicole mit ihren Gefühlen, Konflikten, Entscheidungen, Ängsten, mit
ihrer Freude, ihrer Enge und ihrer Offenheit erscheint darin.
Und gleichzeitig gibt es keinen wirklichen Abstand zwischen Gewahrsein und Nicole, weil Gewahrsein
auch als Nicole erscheint.
Darum bewahrt mich diese Sicht nicht vor dem Leben. Schmerz fühlt sich weiterhin wie Schmerz an.
Angst fühlt sich weiterhin wie Angst an. Konflikte bleiben unangenehm. Ich weiß auch nicht, was um die
nächste Ecke kommt, das mich umhauen kann und ich kann mich nicht vor allem schützen,
was mich trifft.
Was sich verändert hat, ist der Widerstand gegen das, was auftaucht. Ich muss nichts mehr von mir bekämpfen.
Kein psychischer Schmerz muss sofort weg, keine Angst muss sofort gelöst, keine Enge sofort überwunden werden.
Der Verstand kämpft, weil er sich allein wähnt und glaubt, die letzte Instanz zu sein.
Er meint, er müsse etwas erreichen, erklären, kontrollieren oder finden. Wenn aber sichtbar wird,
dass auch der Verstand nur auftaucht wie alles andere, fällt etwas von diesem Kampf und damit von diesem
Widerstand weg.
Dann wird schneller gesehen: Hier ist Angst, hier ist Schmerz, hier ist Verschließen, hier ist Öffnung…
Manchmal mitten darin, manchmal erst danach, wenn der Raum wieder frei wird, nachdem das Wahrgenommene ihn
vollkommen vereinnahmt hat. Das gehört dazu.
Für mich zeigt sich Gewahrsein genau dort: dass das Leben sein darf, wie es gerade erscheint und alles,
was sein darf, wird schneller gesehen. Je mehr es sein darf, umso
weniger Widerstand dagegen wird wahrgenommen und dadurch wird die Wahrnehmung umso weniger verzerrt. Es wird
gesehen, was ist. LG Nicole
Liebe Nicole,
diesen Text … kann ich eigentlich gar nicht verstehen …
ich kann ihn aber fühlen … staunend und lächelnd ♥
Das freut mich total, liebe Valentina. Zumal ich mich jetzt endlich traue über das zu schreiben, was vielleicht nur ich verstehe und fühle. Ich muss nicht mehr versuchen verständlich zu sein. Das ist ein wirklich gutes Gefühl. Es ist schön, dass Du es fühlen kannst. 🙂
:o) ♥
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Hab So eine Freude!!!!!!! mit diesem Blog 🌼💃 Nicole❤️
. . . über den selbstverständlichen Diamanten ☀️ der in uns zaubert, berührend unberührt.
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Das freut mich, liebe Maja! 🙂
Ja, Widerstand ist vielleicht das unangenehmste Gefühl überhaupt. Möglicherweise schlimmer oder genauso unangenehm wie Angst, sicherlich empfindet es jeder anders. In letzter Konsequenz allerdings, ist Widerstand-genau wie Angst und alle anderen Gefühle etwas was eben passiert, oder nicht. Da ist niemand der lernt keinen Widerstand mehr zu haben, das kann man weder lernen noch sich erarbeiten. Es passiert wie die Freude am Sein, die Leichtigkeit, die Liebe zum Spiel und alles andere. Dieser Moment mit oder ohne Widerstand, genau so wie er ist, ist immer genau so wie es sein soll-ohne Alternative, weil der nächste Moment schon fertig ist. Man könnte auch sagen, alles ist so perfekt ineinander verzahnt, es gibt keinen Spielraum für Fehler. Das heisst, alles was ein Mensch sagt, denkt, fühlt, ist genau so, wie es zu sein hat. Mehr Frieden, auch mit Widerstand, geht nicht.
Ja, Nina, das ist auf einer bestimmten Ebene sicher stimmig: Widerstand geschieht, Angst geschieht, Freude geschieht, Leichtigkeit geschieht. Und wenn man es ganz radikal betrachtet, gibt es tatsächlich niemanden, der aus eigener Kraft aus dem Widerstand aussteigen könnte.
Für mich beginnt die eigentliche Untersuchung aber genau dort, wo diese Aussage leicht zu einem Abschluss wird. Denn im konkreten Erleben fühlt sich Widerstand ja nicht wie eine perfekte Verzahnung an, sondern wie Enge, Kampf, Schutz, Abwehr, manchmal wie ein inneres Nein gegen das, was gerade ist. Und gerade diese Bewegung interessiert mich.
Dass alles so geschieht, wie es geschieht, hebt die Möglichkeit des Erkennens nicht auf. Auch Erkennen geschieht. Auch ein Sich-Lösen aus blinder Identifikation geschieht. Auch die Einsicht, dass Widerstand nicht verschwinden muss, um gesehen zu werden, geschieht.
Ich würde deshalb vorsichtig sein mit dem Satz, alles sei genau so, wie es zu sein hat. Das kann wahr sein und gleichzeitig zu früh gesagt werden. Dann legt sich eine große, richtige Aussage über etwas, das im Menschen noch gar nicht wirklich angeschaut wurde.
Für mich geht es weniger darum, Widerstand wegzubekommen, und auch nicht darum, ihn spirituell zu rechtfertigen. Es geht eher darum, zu sehen, wie aus einer körperlich-emotionalen Bewegung ein Ich-Gefühl entsteht, das glaubt, gegen das Leben zu stehen. Und wenn das sichtbar wird, verändert sich etwas, weil Bewusstwerdung selbst Teil dessen ist, was geschieht.
Am besten passt zu diesem Thema, finde ich, was Du in Deinem Blog über Karl Renz geschrieben hast. Wenn Du jetzt schreibst, es könnte zu früh sein, zu sagen, alles sei genau so wie es zu sein hat. Es erinnert mich zumindest an diesen Blog, weil Du da auch geschrieben hast, Karl Renz ist nichts für jemanden, der erst beginnt mit solchen Themen. Da wäre eher Byron Katie jemand, oder ähnliche Lehrer, die zunächst mal die Gedanken infrage stellen. Wenn Du es vergleichbar damit hier auch so ähnlich meinst, verstehe ich das langsame herantasten. Paradoxerweise macht das alles Sinn, langsam und behutsam vorzugehen, aber gleichzeitig sind klare und radikale Worte, ohne Rücksicht ob mein Gegenüber sie versteht, oder nicht, ehrlicher.
Ja, genau, Nina. Karl Renz und diese Sichtweise sind nichts für jemanden, der erst beginnt mit solchen Themen. Und beim Thema
„das Absolute“ bleiben die meisten Menschen am Beginn stecken. Weil es nunmal ein Quantensprung ist und die meisten versuchen es
mit dem Verstand zu greifen. Was nicht funktioniert. Ich bin niemand, der im Gespräch oder in Antworten darüber hinweggeht. Denn das hat keinen Sinn.
Es ist (mir) wichtig zu schauen, welches Verständnis jemand mitbringt. Und ob das Thema durchdrungen ist oder nicht, zeigt sich direkt an
Fragen und Kommentaren. LG Nicole