Vorwort Warum dieses Buch kein Trostbuch ist
Hier ist der Link zum Herunterladen: https://nicolepaskow.de/wp-content/uploads/2026/05/Vorwort-Derp-Access.mp3
Vorwort: Warum dieses Buch kein Trostbuch ist
Es gibt eine Art von Unglück, die sich nicht mehr damit zufriedengibt, dass man ihr ein paar gute Gedanken entgegenhält. Sie lässt sich nicht beruhigen, indem man sich einredet, dass alles schon irgendwie gut werden wird, und sie verschwindet auch nicht dauerhaft, nur weil man etwas verstanden, verziehen, verarbeitet oder neu eingeordnet hat. Für eine Weile kann es leichter werden. Ein Gespräch kann entlasten, ein klarer Entschluss kann den inneren Druck senken, ein gutes Buch kann einen Raum öffnen, eine Begegnung kann etwas in uns weich machen, und manchmal reicht ein einziger Satz, damit der Körper für einen Moment aufhört, gegen das Leben anzuspannen. Doch irgendwann taucht wieder etwas auf. Ein Gedanke, eine Angst, ein Missverständnis, ein alter Schmerz, ein Blick, ein Schweigen, eine körperliche Unsicherheit, eine Frage in der Nacht.
Dann beginnt die Suche von vorn.
Der Mensch sucht Frieden, und das ist keine Schwäche. Es ist eine der verständlichsten Bewegungen, die es gibt. Wer leidet, sucht einen Ausgang. Wer sich verlassen fühlt, sucht Nähe. Wer Angst hat, sucht Sicherheit. Wer innerlich zerrissen ist, sucht Ordnung. Wer sich selbst nicht mehr spürt, sucht Zugang. Es wäre hartherzig, diese Suche kleinzureden oder sie als bloße Verblendung abzutun. Niemand sucht grundlos. Hinter jeder Suche liegt ein Körper, der sich schützen will, ein Herz, das nicht mehr fallen möchte, ein Denken, das Zusammenhänge finden will, damit es nicht völlig ausgeliefert bleibt.
Trotzdem zeigt sich mit der Zeit eine Grenze, die sich nicht durch noch mehr Anstrengung überwinden lässt. Alles, was wir innerhalb des Lebens ordnen, bleibt dem Leben ausgesetzt. Eine Beziehung kann geklärt sein und später wieder in Unruhe geraten. Ein Körper kann gesund wirken und plötzlich Zeichen senden, die uns erschrecken. Eine finanzielle Ordnung kann Sicherheit geben und doch nicht verhindern, dass neue Fragen auftauchen. Auch spirituelle Erfahrungen, so weit und still sie sein mögen, erscheinen, bleiben eine Weile und lösen sich wieder. Der Mensch kann einen tiefen Frieden erleben und am nächsten Morgen gereizt sein, weil jemand in der Küche zu laut atmet oder weil eine Nachricht ausbleibt, auf die er gewartet hat.
An dieser Stelle wird es interessant, und zugleich wird es unbequem. Denn die gewöhnliche Hoffnung lautet, dass irgendwo innerhalb der Erscheinung ein Zustand zu finden sein müsste, der endlich hält. Der richtige Mensch, die richtige Methode, die richtige Erkenntnis, der richtige Körperzustand, die richtige innere Haltung, das richtige spirituelle Verstehen. Etwas, das so vollständig ist, dass danach keine Unruhe mehr Macht über uns hat. Viele Wege nähren diese Hoffnung, manchmal offen, manchmal sehr subtil. Selbst dort, wo von Freiheit gesprochen wird, schleicht sich oft eine alte Vorstellung ein: Irgendwann werde ich so klar, so bewusst, so geheilt, so weit, dass das Leben mich nicht mehr erschüttert.
Dieses Buch beginnt dort, wo diese Hoffnung müde geworden ist.
Es will keinen neuen Trost anbieten, der den alten Trost nur ersetzt. Es will auch keine Lehre über das Leben errichten, an der man sich festhalten kann, bis sie unter Druck wieder bricht. Mir geht es um etwas Schlichteres und Radikaleres: um das Sehen dessen, was geschieht, während es geschieht. Um den unmittelbaren Zugang zu dem, was bereits da ist, bevor wir es verbessern, erklären, ablehnen, spirituell deuten oder psychologisch bearbeiten.
Ich nenne diesen Zugang Deep Access.
Deep Access meint keinen besonderen Zustand. Es ist kein Versprechen auf dauerhaftes Glück, keine Methode zur Selbstoptimierung, keine feinere Form der Kontrolle. Es geht um den Moment, in dem sichtbar wird, wie eine Erfahrung erscheint, wie Bedeutung entsteht, wie der Körper antwortet, wie ein altes Muster sich für Wahrheit hält und wie das Ich genau dort auftaucht, wo etwas festgehalten, verteidigt oder repariert werden soll.
Der Mensch will meistens wissen, was er tun soll. Das ist verständlich, denn Tun gibt das Gefühl, nicht ausgeliefert zu sein. Doch manche Bewegungen verändern sich erst, wenn sie gesehen werden. Nicht durch Druck, nicht durch eine neue Deutung, nicht durch ein besseres Konzept. Ein Gefühl, das vollständig geglaubt wird, besitzt eine andere Macht als ein Gefühl, das im Erkennen auftaucht. Eine Angst, die den ganzen Raum ausfüllt, ist anders wirksam als eine Angst, die als Bewegung im Körper, als Bild im Denken, als alte Bedeutung im Nervensystem sichtbar wird. Sie muss deshalb nicht sofort verschwinden. Das wäre wieder die nächste Erwartung. Aber ihre absolute Autorität beginnt zu wanken.
Dieses Buch führt Schritt für Schritt an diesen Punkt heran. Es beginnt beim menschlichen Suchen und bei der Erschöpfung, die daraus entstehen kann. Es fragt, warum Bedeutung so tief in den Körper greift, weshalb Rituale, Worte, Blicke und innere Bilder reale Wirkung haben, obwohl sie scheinbar nur aus Deutung bestehen. Es nimmt den Körper ernst als lebendiges Informationsfeld, das viel mehr verarbeitet, als das bewusste Denken je erfassen kann. Danach öffnet sich der Blick weiter auf das, was überhaupt erscheint: Gedanken, Gefühle, Körperzustände, Welt, Erinnerung, Ich-Gefühl, Suche, Widerstand, Erkenntnis.
Von dort aus wird die Frage nach Frieden neu gestellt.
Vielleicht liegt der Frieden nicht dort, wo wir ihn suchen. Vielleicht kann er nicht als Zustand im Leben gefunden werden, weil jeder Zustand erscheint und vergeht. Vielleicht ist Frieden kein Ergebnis einer gelungenen inneren oder äußeren Ordnung. Vielleicht ist Frieden das, worin jede Ordnung und jede Unordnung auftaucht. Das klingt zunächst abstrakt, doch eigentlich ist es eine sehr konkrete Zumutung. Denn es bedeutet, dass das Leben nicht erst ruhig werden muss, damit die tiefere Wirklichkeit unberührt ist.
Die menschliche Ebene bleibt dabei vollständig ernst zu nehmen. Wer Schmerzen hat, braucht Fürsorge. Wer in einer belastenden Beziehung lebt, braucht Klarheit. Wer Angst erlebt, braucht nicht zuerst Philosophie, sondern oft Halt, Atem, Orientierung, einen Menschen, der da ist. Das Absolute hebt das Menschliche nicht auf. Es nimmt ihm nur die Aufgabe, endgültig tragen zu müssen.
Dieses Buch ist eine Einladung, tiefer zu sehen, ohne das Leben zu verlassen.
Es beginnt genau hier, bei der alten, ehrlichen, manchmal verzweifelten Suche nach Frieden.
Liebe Nicole, ich hatte die letzten Tage mehrmals den Impuls zu fragen, was das Buchprojekt macht, wollte Dich aber nicht unter Druck setzen. Als ich gestern mein eigenes Buch-Skript hervorholte und las, fing ich an zu zweifeln, ob das alles Sinn macht und kann verstehen, dass es in Dir weiterarbeitete und dass alles einen Zeitpunkt hat.
Und um so mehr bin ich dankbar, dass es weiter geht. Und wie passend. Mich hat es voll erwischt. Volle Breitseite mit Erwartungen und alten Verletzungen, es hört nicht auf. Die Überraschung heute war, als ich tiefe alte Gefühle zuließ, sie fühlte und wie ein Kind wimmerte, war danach alles weg. Verschwunden. Als hätte es den Zustand nicht gegeben. Es blieb eine Klarheit übrig, wie nach einem starken Gewitter. Und die zweite Überraschung, kein Anhaften an der Geschichte. Spanndend war das rotieren der Gedanken zu beobachten, als kramten sie in alten Schubladen nach Konzepten, wollten mir dies und jenes verkaufen und ich entschied mich heute im Anschluss, einfach auszuruhen. Jetzt geht es weiter im Programm. So, wie Du es beschrieben hast. Jede Zeile konnte ich nachempfinden. Manchmal stockte ich bei dem Wort Erscheinung, „… Sobald Frieden als Erfahrung gesucht wird, tritt er in die Ordnung der Erscheinung ein.“ Ich sollte aufhören, alles verstehen zu wollen, sondern einfach zurücktreten.
Ich freue mich so, dass es weiter geht und sage mal wieder Danke, dass es Dich gibt. Liebe Grüße, Beatrice
Liebe Beatrice. Ich danke Dir für Deinen Kommentar und auch für Dein Verständnis. Da Du ja selbst auch schreibst, kennst Du diesen Prozess der Entwicklung auch gut. Du bist hier stehen geblieben sagst Du: „… Sobald Frieden als Erfahrung gesucht wird, tritt er in die Ordnung der Erscheinung ein.“
Ja das ist wahrscheinlich etwas zu kompliziert ausgedrückt. Was ich damit sagen will ist: Sobald Frieden als Erfahrung gesucht wird, als Zustand, dann reiht er sich in alles ein, was eine Erfahrung ist: Gefühle, Gedanken, Empfindungen … und das bedeutet, dass er kommt und geht, weil jede Erfahrung kommt und geht und nie für immer bleibt. Aber der wahre Frieden ist keine Erfahrung. Er ist die Grundlage von Erfahrung. Etwas muss total offen sein, damit absolut jede Erfahrung darin erscheinen kann. Dieser offene „Hintergrund“ ist Frieden. Damit Verzweiflung stattfinden kann, muss es eine Offenheit für sie geben. Deshalb sagt man auch „… vor Gott sind alle gleich“. Das weist auf diese Offenheit hin, die nichts und niemanden ausschließt… Viele liebe Grüße, Nicole
ohmeinGott! ist das spannend was DA abgeht, N i c o l e❤️🔥 und
ICH BIN DAbei:Eingeladen;mit so coolen Mitreisenden: Jubel Trubel Hei(ß)terkeit.
A H O I👋
…ja liebe Maja, sitze im Abteil neben Dir, juchuuu…
Wie schön, Maja, dass Du mit an Bord bist! Freue mich auf Deine Gedanken! 🙂
liebe Nicole, du weißt ja, dass ich es nicht so mit dem Schreiben meiner Erkenntnisse habe. Ich bin sehr dankbar, daß ich bei diesem Prozess dabei sein darf 🙏🏼.
Ich kann nicht aus so viel Erfahrung sprechen, nur was mir besonders auffällt und sehr gefällt ist, dass du die menschliche Komponente mit einbeziehst, wir sind nun einmal Menschen, auf einer gewissen Ebene und das lässt sich auch nicht abstellen. Es gibt Erleichterung, es entspannt sich etwas. Für mich nimmt es eine große Last, endlich auch einmal zu lesen oder hören, daß alles so sein darf, man nichts verändern muss bzw kann, es darf alles so sein wie es ist, ohne gleich wieder etwas verändern, optimieren zu müssen. Es ist zwar nicht leicht, weil es doch sehr tief verwurzelt ist, aber ich kann spüren wie sich der Körper entspannt, auch wenn die Situation nicht angenehm ist, wenn ich sie einfach sein lasse wie sie ist. Sehr schöne Erfahrung, habe ich so noch nicht, in dieser Genauigkeit und sehr einfühlsamen Art und Weise gehört oder gelesen. Herzlichen Dank dafür 😘
Auch von mir ein großes DANKE, dass Du uns teilhaben lässt, liebe Nicole!
Nur zu gut verstehe ich Deinen Wandel und Prozess im der Thematik und freue mich, am mitgenommen werden und stimme in die Jubelrufe mit ein und nehme gerne Platz in diesem herzerfrischenden Abteil der Reise 🤗💞
Das Absolute hebt das Menschliche nicht auf.
Es nimmt ihm nur die Aufgabe, endgültig tragen zu müssen.
und:
Der Frieden als Raum der Offenheit, in dem alles geschieht und geborgen ist.
Das sind „meine“ zwei Sätze deines Eingangsfeuerwerks,
zu denen ich stark in Resonanz gehe und die eine Frage hervorbringen:
Wo in diesem Trio des Absoluten, Menschlichen und Friedensraums … ist für dich die LIEBE verortet?
………………………schön, dass es weitergeht :o)